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Deutsches und Ungarisches Staatstheater im rumänischen Temeswar – Showcase 2025

Erster gemeinsamer Showcase ausgewählter Vorstellungen für internationale Theaterleute erfolgreich durchgeführt …

BildDie im rumänischen Banat gelegene drittgrößte Stadt des Landes, Timisoara, Temeswar, besitzt vier Spielstätten im heutigen Nationaltheater unter gleichem Dach. Die wechselhafte Geschichte des Hauses wäre eine eigene Reportage wert.

Das rumänische Nationaltheater und die Oper bespielen das große Haus, das Deutsche Staatstheater und das Ungarische „Csiky Gergely“ Staatstheater teilen sich den kleineren Teil.

Erstmalig nun veranstalteten die beiden letzteren einen gemeinsamen Showcase, um bei nationalen und besonders internationalen Theaterleuten und Journalisten Interesse für ihre aktuelle Produktionen zu wecken.

Dies macht Sinn aus gesellschaftspolitischer und besonders ökonomischer Sicht. Beide Häuser spielen jeweils in ihrer Sprache, Deutsch und Ungarisch, und übersetzen jede Vorstellung außerdem ins Rumänische, was sowohl dem multinationalen wie auch dem multikulturellen Charakter der Stadt angemessen ist.

Das deutsche Staatstheater eröffnete und so möchte ich auch meinen Bericht mit dieser Vorstellung beginnen:

Mit Wolkentektonik des aus Puerto Rico stammenden US Amerikaners Jose Rivera legt das Deutsche Staatstheater einen in zweifacher Hinsicht gelungenen Auftakt für den Showcase hin.

Einmal gilt es, die neue politische Haltung gegen Einwanderer in Amerika zu spiegeln, ein Problem, das in Europa ebenso zwiespältig diskutiert und gehandhabt wird.

Dann zieht die anrührende Inszenierung des Regisseurs Laszlo Bocsardi und seine liebevolle Herangehensweise an den „magischen Realismus“ des Autors -ohne kitschig zu werden- jeden Besucher in den Bann: Eine alter Junge-trifft-Mädchen-Geschichte, aber auch eine Geschichte von theatralischer Verzauberung, in der sich das Alltägliche plötzlich in etwas Wunderbares verwandelt.

Der Schlüsselbegriff für die Arbeit von Rivera heißt „magischer Realismus“, d.h. zwei Stile zu vermischen, in denen er sich zuvor versucht hat, nämlich Realismus und magischen Realismus, um ein naturalistisches Stück zu schaffen, das mit Symbolen und magischen Ereignissen durchsetzt ist.

Soweit, so gut. Nun bedarf es zu diesem „Silbertablett“ des Regisseurs auch dreier ausgezeichneter Darsteller, die sich darin spiegeln und glänzen können, was in der Rolle der agilen, fahrigen, spritzigen, erotischen, himmelhoch jauchzenden, zu Tode betrübten Celestina del Sol, der wandlungsfähigen Schauspielerin Silvia Török, voll gelungen ist. Schwächen in der deutschen Aussprache verzeiht man ihr angesichts dieser Leistungen. Marc Illich in perfektem Deutsch spielt den Old Boy Anibal de la Luna vielleicht ein wenig zu blass, wohingegen Harald Weisz (Nelson de la Luna) gerne mal überzieht.

Der Sohn
Der bekannte französische Autor Florian Zeller befasst sich nach seinem berührenden Alzheimerdrama „Der Vater“ mit einem gleich spannenden Thema um einen Sohn, der extrem unter der Trennung seiner Eltern leidet.

Alles scheint ihm zu viel. Er fühlt sich vom Leben komplett überfordert. Sein Vater, der neu geheiratet und mit einer jüngeren Frau (Oana Vidoni) auch nochmal ein Kind bekommen hat, übernimmt die Erziehung seines Sohnes, um den er sich bisher kaum gekümmert hat. Doch mit dem Umzug in die neue Familie des Vaters wird das Leben für Nicolas (ein etwas überforderter Yannik Becker) nicht einfacher.

Begreifen die Eltern eigentlich, woran ihr Sohn leidet? In seiner temporeichen Szenenfolge zeichnet Florian Zeller erneut ein komplexes Porträt familiärer Abgründe.

In den Hauptrollen zu sehen sind Bülent Özdil, der in dieser Zeller-Aufführung den Vater gekonnt und glaubhaft verkörpert, sowie Enikö Blenessy als Mutter. In den kurzen Szenen als Arzt überzeugt diesmal Harald Weisz. Robert Bogdanov (Pfleger) assistiert souverän.

In den Händen von Regisseur Madalin Hincu läuft der Abend ohne Kitsch und Pathos psychologisch stimmig und realistisch inszeniert ab. Nicht ganz richtig besetzt birgt er trotzdem einige intensive Momente.

Der Drache
Das 1943 geschriebene Stück von Jewgeni Schwarz, eine politische Parabel auf Diktatur und Untertanengeist, beinhaltete im Jahr seiner Entstehung so Heikles, dass es lange Jahre in der UDSSR verboten war, heute jedoch erneut eine bittere Aktualität innehat.

Im Staatstheater Augsburg konnte man die Inszenierung von Andreas Merz Raykov als ein zutiefst komisches und grotesk ausgestattetes Märchen für Erwachsene sehen.

Auch das Deutsche Theater Temeswar hat sich des Stückes in der Regie von Yuri Kordonsky angenommen und schafft im Set und mit den Kostümen von Ioana Popescu ein eher realistisches Märchen. So haben es die Schauspieler doch schwer, sollen sie komisch oder grotesk sein, ohne in eine gestrige Interpretation eines Kinderstücks zur verfallen. Gute Ideen des Regisseurs gehen in dieser Inszenierung zum Teil verloren. Es ähnelte bedauerlicherweise zuweilen einer Vorstellunge rumänischer Provenienz aus vergangener Zeit.

Das „Csiky Gergely“ ungarische Staatstheater legt nach:

1978 – Harter Tobak, nicht nur für die Zuschauer!
Das Publikum in Timisoara ist vertraut mit Regiearbeiten von Tomi Janezic, mein letzter Besuch galt „Noch kein Titel“ (TESZT Festival 2024).

Die Schauspieler des Ungarischen Staatstheaters „Csiky Gergely“ gestählt durch Regisseure wie Bojan Jablanovec, Kokan Mladenovic, Arpad Schilling, Silviu Purcarete oder Andras Urban sind gewappnet, denn es bedarf einer außergewöhnlichen Konstellation von Könnern.

1978 Timisoara, eine multi-kulturelle und multi-etnische Stadt in Rumänien, die u.a. im Jahr 2023 zur Kulturhauptstadt Europa gekürt und dessen Nationaltheater u.a. bereits 2009 vom KulturForum Europa mit dem KulturPreis Europa ausgezeichnet wurde, ist ein perfekter Hintergrund für ein solches Janezic-Spektakel.

1978, eine emotionale Fallstudie über das Leben, die Erinnerung und die Historie in unterschiedlichen Welten, Zeiten und Räumen, gefühlt und verinnerlicht von beiden, den Protagonisten und dem Publikum.

1978 „ist ein bedeutsames, ernsthaftes, den Menschen prüfendes, Gott versuchendes Unterfangen, bei dem wir, wenn wir uns darauf einlassen, alles Mögliche über uns selbst, unsere Eltern, unsere Großeltern lernen und verstehen können, was wir vergessen haben, oder zumindest, was uns jemand wirklich vergessen lassen will“. (Tamas Jaszay)

Danaos
Was bedeutet es, ein Flüchtling in einem fremden Land zu sein, wo das Leben von der Gastfreundschaft der Gastgeber abhängt? Worauf kann sich ein Mensch verlassen, wenn er den Glauben an seine eigene Kultur, seinen eigenen Gott und seine eigene Menschlichkeit verliert? Bewahrt der heutige Idealismus einen Keim des Humanismus, oder ist das geistige Erbe der Antike und der Renaissance nur noch eine Erinnerung?

Die „Supplanten“, eine gewaltige antike griechische Tragödie von Aischylos, beschäftigt sich mit den Themen Zuflucht, Gerechtigkeit und dem Verhältnis zwischen Individuum und Staat.

Sie sind ein ergreifender Kommentar zum Wesen der Unterdrückung, zur Bedeutung von Barmherzigkeit und Mitgefühl und zum Kampf um Autonomie in einer patriarchalischen Welt, der letztlich die Widerstandskraft derer zeigt, die sich von der Tyrannei befreien wollen.

Die Schauspieler suchen Antworten auf diese Fragen, indem sie Wege durch spirituelle Welten und surreale Situationen erkunden. In seiner Inszenierung erzählt Regisseur Kristof Szabo die Geschichte einer Gruppe politischer Asylbewerber, in der die Flüchtlinge nach und nach ihren moralischen Rückhalt verlieren.

Szabo ist glücklicherweise von einer licht-,ton-,video- und vor allem computertechnisch äußerst versierten Mannschaft umgeben, mit der er seit Jahren Installationen im Raum zur Perfektion entwickelte. Sie simulieren nicht nur einen Raum, sie umspülen die Akteure dreidimensional wie Basiselemente eine chemische Reaktion. Mit den talentierten ungarischen Schauspielern erfährt dann alles zusammen eine Kernfusion auf der Bühne.

Den Showcase habe ich mit meinen Kollegen der schreibenden Zunft und einem guten Gefühl besucht und mit einer positiven Erinnerung verlassen. Viel Erfolg den beiden Theatern!!!

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TESZT – Euroregionales Theaterfestival Timisoara

Die 15. Ausgabe von TESZT ging im rumänischen Temewar auf den Brettern des Ungarischen Staatstheaters vonstatten. (von Dieter Topp)

BildEines der wichtigsten Projekte des Ungarischen Staatstheaters Csiky Gergely, das Euroregionale Theaterfestival in Timisoara – TESZT, wird seit 2008 jährlich organisiert. Die internationale Veranstaltung soll das Wissen über Multikulturalität fördern und die Öffentlichkeit über das neueste Theater der Region informieren.
Aufgrund seiner besonderen Lage befindet sich Timisoara am Kreuzungspunkt verschiedener Kulturen. Geografisch gesehen liegt es sowohl in der Nähe von Budapest als auch von Belgrad, aber neben diesen beiden multikulturellen Hauptstädten befindet sich Timisoara auch in der Nähe von Arad, Novi Sad, Subotica und Szeged, alles Städte, die für ihre besonderen, kulturellen Werte bekannt sind.

Timisoara (dt. Temeswar) bildet den ethnisch buntesten Flecken auf der rumänischen Landkarte. Und bis heute stellen die Ungarn die größte ethnische Minderheit des Landes dar.
Ungarische Minderheiten in Rumänien und den angrenzenden Ländern haben seit 1989 die Möglichkeit, eigene Organisationen zu bilden, um die Interessen der Minderheit auch politisch zu vertreten. Eigene Theater an verschiedenen Orten halten zum einen ungarische Sprache und Kultur aufrecht, bilden andererseits auch die Möglichkeit mit den rumänischen Bürgern zu kooperieren und stärken letztlich demokratische und europäische Ideen in der Diaspora, ein Unterfangen, das sich im aktuellen Ungarn sehr schwer tut. Timisoara als Europäische Kulturhauptstadt (2023) fühlte sich hier in mehrfacher Hinsicht verpflichtet und wird das wohl hoffentlich auch zukünftig sein.

Zum 15. Mal hatte das ungarische Csiky Gergely Theater 2024 in die drittgrößte rumänische Stadt zum TESZT Festival geladen.

Festivalchef Attila Balazs und sein Team sehen TESZT als eine Plattform sowohl für kulturellen Austausch als auch eine Einladung zum Dialog mit Künstlern und anderen Profis der Sparte, als Aufruf kritischer Auseinandersetzung mit dem Theater der Regionen:
„Wir halten es für wichtig, dass TESZT nicht nur ein kultureller, sondern auch ein künstlerischer Treffpunkt für verschiedene Kunstformen sein kann, ein Ort für Experimente und Forschung, für den Dialog zwischen Publikum und Künstlern, an dem die junge Generation als Partner behandelt wird. … Es ist wichtig, die Jugend zu stimulieren, zu ermutigen und zu erziehen. Ausgehend von unseren Erfahrungen in der Vergangenheit halten wir es für notwendig, unsere Hauptziele zu überdenken und zu definieren, um das Programm des Festivals zu erweitern.“

Das euregionale Festival TESZT steht für Miteinander nicht nur auf den Brettern der Theater angrenzender Balkanstaaten, von denen der Westen wenig bis nichts weiß und brachte dato Produktionen aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien und Slowenien hinzu, die es lohnte, bezüglich ihrer Ideen von Demokratie, Diversity zum Zwecke des Kennenlernens und Austauschs anzuschauen.

Es war dem Chronisten vergönnt, zumindest ein paar Highlights der diesjährigen Festivalausgabe persönlich zu sehen, die hier beleuchtet werden können.

JEDERMANN
Ensemble Forte – Szkene-Theater (Ungarn)
Sein oder nicht sein? Was für eine Frage! – Anybody, eine der Figuren des Stücks von Szilard Borbely.

Der Frage folgten Szenen, in denen typische, vor allem (sub)urbane Figuren der Konsumgesellschaft auf der Bühne des Lebens erschienen, um dann ebenso unerwartet mit einer Maske auf dem Gesicht in der theatralen Versenkung des Vergessens zu versinken. Die Maske des Jedermann. Das Genre des Stücks fokussierte die „Amoralität“: allegorische Figuren der mittelalterlichen Moral wurden in theatralische Rollen verwandelt. Und diese Geschichten verknüpfte das Motiv des Todes, der im Rahmen einer theatralischen Aufführung durch seine ständige Präsenz auf der Bühne einen Körper bekam.

MINDPOLIS 1.0
Kunstorganisation Skop (Kroatien)

Inspiriert von den zahlreichen Reisen Marco Polos schufen Emilia Agnesa und Nenad Glavan einen vielschichtigen Text und integrierten ihn in ein medienübergreifendes Projekt, das Storytelling, digitale Kunst, Augmented Reality, Rollenspiele, Chat-Interaktion, ortsspezifische Kunst, Video und Theater miteinander verband.
Von der Universität Belgrad waren Teilnehmer des DAAD-Theaterprogramms für Philologiestudenten eigens angereist, um das Stück ihres Dozenten Nenad Glavan live zu sehen. Fasziniert bejubelten sie die seltsame Odyssee unter der Regie von Nenad Glavan.
Das hoch aktuelle Stück verwandelte sich im Handumdrehen in einen bösartigen Thriller, der im Wesentlichen das menschliche Paradoxon in der Spaltung zwischen Schöpfung und Zerstörung, Licht und Dunkelheit, Eros und Thanatos in Frage stellte …

MONOLOGE DER EINSAMKEIT
Unabhängige Theatergruppe Arte-Factum Timi?oara (Rumänien)

war ein lebendiger, frischer, innovativer Blick auf die moderne Gesellschaft, eine theatralische Illustration des Schmelztiegels unterschiedlicher Klassen und Absichten.
Der bis auf die Seele skelettierte Mensch, der sich bestenfalls ein wenig menschliche Nähe erkaufen kann, aber auch das befriedigt ihn nicht. Einsamkeit in all ihren Facetten, mit einem einzigen gemeinsamen Nenner, der Verlassenheit in der Geschwindigkeit des Lebens verbunden dem hoffnungslosen Versuch, in irgendeiner Art von Beziehung voranzukommen.

Die Inszenierung von Levente Kocsardy war die Blaupause für all das und vielleicht für uns alle. Sie nahm den Zuschauer seelisch mit auf eine Reise mit verschiedenen Stationen, wobei jede einzelne, egal wie und wo und warum, unsere konsumorientierte Gesellschaft aufzeigte und verdeutlichte: EINS ist die einsamste Zahl als Ergebnis der 11 Monologe von Mona Donici.

Und letztlich PERIKLES des
Ungarischen Staatstheaters Csiky Gergely, Timi?oara (Rumänien)

… Ein Mann liegt im Sand. Von den Wellen umspült. Man weiß nicht, woher er kommt, wohin er geht, was er will oder wovor er flieht. Irgendwo, in einem fernen Land, war er einmal ein König. Der Prinz von Tyrus. …

Aber jetzt war er nur noch ein Mann, der nichts als eine Geschichte hatte, die Geschichte des Perikles. Aber nicht nur seine. …
Mit ihrem enormen Enthusiasmus, ihrer Musikalität und ihrer unbedingten Bereitschaft, sich auf Regisseur Philip Parr einzulassen, gelang dem Gastgeber des Festivals, dem Ungarischen Staatstheater Csiky Gergely, wieder einmal eine bemerkenswerte Ensembleleistung.

Lasst uns jährlich wieder TESZTen!
www.teszt.ro

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Festival Network – Treffen 2023 europäischer Theaterschulen in Temeswar, Rumänien

Auch KulturForum Europa (KFE) war Medienpartner …

BildTheaterschulen verschiedener europäischer Länder vernetzten sich Mitte November in der westrumänischen Stadt Temeswar/Timi?oara, eine der europäischen Kulturhauptstädte Europas 2023, zu Aufführungen in den Theatern der Stadt, Debatten, Workshops, Lesevorführungen in Schulen und Gymnasien, Konferenzen und gemeinsamer Aufführung. Hauptziel des Events war es, einen authentischen kulturellen Dialog zwischen europäischen Theaterschulen zu schaffen. 

Die Veranstaltung bot Treffpunkt für Studenten, Professoren, Fachleute, Kritiker, Theaterregisseure, etablierte Schauspieler und Regisseure und hatte natürlich auch Publikum zu den Vorstellungen eingeladen.

Hervorragende Aufführungen der beteiligten europäischen Theaterschulen kamen auf die Bühne. Workshops, die von etablierten Künstlern aus Europa geleitet wurden, standen auf dem Programm.

Die Nationale Aleksander-Zelwerowicz-Akademie für dramatische Künste in Warschau (Polen), die Fakultät für Musik und Theater in Hannover, die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg nahmen teil. Hinzu kamen die Fakultät für Theater an der Manchester Metropolitan University und Royal Conservatoire of Scotland in Glasgow (UK) und die Private Universität für Musik und Kunst der Stadt Wien. Die deutschsprachige Schauspielabteilung der Musik- und Theaterfakultät an der West-Universität (UVT) Temeswar, Rumänien, als Gastgeber brachte Fakultäten und Akademien für Theater und darstellende Künste mit starken künstlerischen Diskursen und unterschiedlichen Arbeitsmethoden zusammen.

Als Partner waren dabei das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT), die Jugendstiftung des Kreises Temesch (FITT), sowie als Medienpartner KulturForum Europa e.V., Deutsche Welle, TVR, Allgemeine Deutsche, Zeitung für Rumänien, West City Radio, Radio România Cultural, Radio Temeswar und KulturForum Europa e.V. (KFE). Letzterer arbeitet seit über 15 Jahren an einem vermehrt positiven Bild des Landes Rumänien, seiner Bürger und vor allen Dingen seiner Kultur. Das Projekt bereicherte das nationale Kulturprogramm „Temeswar Europäische Kulturhauptstadt 2023“.

Durch die ausgezeichneten Veranstaltungen im übergreifend europäischen Raum gelang es dem Festival mit ausnehmend starker Publikumsbeteiligung nicht nur den Postulaten einer europäischen Kulturhauptstadt gerecht zu werden. Das Festival Network – Treffen 2023 europäischer Theaterschulen bewies bereits mit seiner ersten Ausgabe, zu welcher Leistung die noch junge deutsche Schauspielabteilung der Musik- und Theaterfakultät an der West-Universität (UVT) Temeswar befähigt ist.

Im zunehmend erstarkenden Nationalismus in Europa mag man diese Abteilung und die Aktivitäten der UVT im Zusammenhang mit der deutschsprachigen Minderheit auch als wertvollen Stein im vielfarbigen ethnischen Mosaik ansehen, eine bereits über 400 jährige multikulturelle Region in der EU wieder in Erinnerung zu rufen. 

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Euroregionales Theatre Festival TESZT in Timisoara, RO, Kulturhauptstadt Europa 2023.

(von Dieter Topp) Eines der wichtigsten Projekte des Ungarischen Staatstheaters Csiky Gergely, das Euroregionale Theaterfestival in Timisoara – TESZT, findet seit 2008 jährlich statt.

BildTESZT ist international, soll das Wissen über Multikulturalität fördern und das Publikum über das neueste Theater in der Region informieren: als Plattform für den kulturellen Austausch und als Einladung zum Dialog mit den Künstlern und anderen Fachleuten in diesem Bereich.

Aufgrund seiner besonderen Lage befindet sich Timi?oara am Kreuzungspunkt verschiedener Kulturen. In der Nähe von Budapest und Belgrad, neben Arad, Novi Sad, Subotica und Szeged, alles Städte, die für ihre besonderen, kultivierten Werte bekannt sind.
Trotz der geographischen und kulturellen Nähe haben die Theater dieser Städte nur wenig Kontakt miteinander. Die psychologischen Grenzen blockieren den Informationsfluss zwischen ihnen. Hier tritt TESZT als Mittler in Erscheinung, um eine engere und häufigere Zusammenarbeit zwischen den Theatern dieser Region zu fördern, Erfahrungen auszutauschen und dem Publikum zu einem besseren Verständnis neuer Theaterformen zu offerieren.

Heute ist dieses Festival zu einem der wichtigsten kulturellen Ereignisse der Region geworden und trägt auf Grund seiner Lage an der rumänischen, ungarischen und serbischen Grenze dazu bei, ein Ort der Begegnung zwischen den Kulturen zu sein, die Kulturen der verschiedenen Nationen einander vorzustellen und den Boden für die Präsentation ihrer eigenen Werte und all der neuen Werte zu schaffen, die während des Zusammentreffens dieser Länder entstanden sind.

TESZT kann mehr als ein kultureller und künstlerischer Treffpunkt für verschiedene Kunstformen sein, ein Ort für Experimente und Forschung, für den Dialog zwischen Publikum und Künstlern, an dem besonders die junge Generation als Partner angesehen wird. „Wir halten es für wichtig, die Jugend zu stimulieren, zu ermutigen und zu erziehen. Ausgehend von unseren bisherigen Erfahrungen halten wir es für notwendig, unsere Hauptziele stets zu überdenken und zu definieren, um das Programm des Festivals zu erweitern“, so die Veranstalter.

Eine beherzte Diversität zeichnete die Festivalausgabe dieses Jahres im Besonderen aus. Auch oder gerade vom Veranstalter gewollt als Beitrag zum Programm von Timisoara Kulturhauptstadt Europa 2023.

Soziales Wachstum zu propagieren ließen sich die acht Festivaltage erfolgreich an. Kultur bewegt und bewegt sich, daher spielten „Fluid Views“ eine gewichtige Rolle beim Konzept der 14. Festivalausgabe. „Fluid Views“ bezeichnete in diesem Festival die Sparte rund um Diversity-Darbietungen, die notwendiger Weise der LGBTQ+ Gemeinde Raum gab, ein Postulat im Programm-Rahmen einer Kulturhauptstadt Europa.

Den Auftakt dazu machte SADBOY, Panos Malactos, ein Zypriote mit einer rasanten One-Man-Movement-Show über sein schwules Leben als Instagram- und DatingApp Nutzer. Volle Vorstellung und Jubel der Besucher.

„Herz Emoji“, eine Interpretation der deutschen Truppe SZENE 2WEI (William Sanchez H. und Timo Gmeiner aus Deutschland):

Das Stück DANCE übermittelte die reale Bedeutung des Emojis eines jeden einzelnen Tänzers von elektronischer Anonymität in dessen reales, privates Leben hinein. Die inklusive zeitgenössische Tanzdarbietung in Slow Motion Form machte zugleich Bedeutung und Problematik der nicht leichten, aber umso herzlicheren Form einer Choreografie klar, in der Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt miteinander umgehen.

Das zeitgenössische Tanzstück LORDESS von THE GARDEN // performing arts platzte voller Lebenslust mitten rein in den Diskurs um Sexualität, Gender, konstante Transformation und Performance. Der Körper als politischer Diskurs auf der Bühne und die Schönen Künste als Fundament für Bewegung. Inspiriert durch die queere Künstlerin Lorenza Böttner zeigte das Stück, was möglich ist – unter der Prämisse, dass die Grenzen von Kreativität und Kunst nicht von unseren Körpern oder unserer Vorstellung von Normalität abhängig sind.

Die Vorstellung SWORN VIRGIN war als ein weiterer Teil von Fluid Views, der Festivalsektion von TESZT eingeladen, eine Kooperation mit der Identity. Bildungs-NGO aus Timi?oara. Dieser Theaterabend stellte sich in mehrfacher Hinsicht als ein besonderer heraus:

Jeton Nesiraj, wohl der zur Zeit bekannteste und weltweit einflussreichste unter den Schriftstellern des Neuen Balkans, lieferte die Vorlage in Form einer fiktiven Geschichte um eine sogenannte geschworene Jungfrau, auch Burrnesha, eine Frau, die in ihrer Familie und in der Gesellschaft die Rolle eines Mannes übernimmt und dabei in aller Regel völlig auf Beziehungen, Ehe und Kinder verzichtet. Die Frau legt einen Schwur ab und wird fortan als Mann behandelt, trägt Männerkleidung und Waffen und kann die Position des Familienoberhaupts übernehmen. Hauptursachen für die Entscheidung als Mann zu leben sind die Vermeidung einer ungewollten Ehe oder das Fehlen eines männlichen Familienoberhauptes sowie der Wunsch nach einem freien Leben mit mehr Möglichkeiten.

Aus der sozialen Nische transportierte Neziraj die Story in eine letztlich queer endende lesbischen Konstellation. Regisseur Erson Zymberi setzte diese Fiktion in einer Medien bestimmten Umwelt prall auf die Bühne, indem er Burrnesha in einer mit den üblichen Klischees bedachten Talkshow einer Drag-Queen in London auflaufen ließ. Sie widersetzte sich – wie ein Mann – und begann schließlich ein Verhältnis mit der TV-Ansagerin in den Bergen des Balkan. Damit startete sie ein anderes, selbstbestimmtes Leben.

Dank Autor und Regisseur ging das Stück über das bloße Porträt einer sozialen albanischen Minderheit hinaus und gestaltete sich zu einer queer feministischen Interpretation.
Die „geschworene Jungfrau“ spricht über das Phänomen der geschworenen Jungfrauen im Licht der aktuellen Debatte über Geschlechterfragen. Sie befasst sich mit dem Konzept der Freiheit bzw. dem Mangel an Freiheit in Gesellschaften mit unterschiedlichen Werten, Konzepten und sozialen Konstruktionen.

Ein Glückfall, dass Story und Gender-Show in Sachen Diversität aus dem Kosovo kamen, wo in dieser Beziehung noch sehr viel getan werden muss. Es kann einerseits als ein emanzipatorisches Unterfangen auf kultureller Basis angesehen werden, das queere Sujet in den anderen Balkanstaaten auf Festivals voranzutreiben. Andererseits bedeutet es eine geschickte Möglichkeit, das Kosovo diesbezüglich im Westen positiv darzustellen. Und letztlich entpuppte es sich um einen Gewinn für Timisoara, Kulturhauptstadt Europa 2023, im homophoben Rumänien, denn Diversität im Kulturprogramm sehen die Postulate der europäischen Vergabe ausdrücklich vor.

So wurde in der TESZT Festival Sektion „Fluid Views“ der queeren Community eine feste Plattform eröffnet, die in mehreren Veranstaltungen durch äußerst rege Publikumsteilnahme angenommen wurde. Ein Schritt nach vorne und eine win-win Situation in mehrfacher Hinsicht. Es gilt nun, darüber hinaus diese Anfänge zu festigen.

Obwohl nicht Fluid Views zugeschrieben, gehörte die serbische Produktion „Unser Sohn“ von Patrik Lazic, der auch selber Regie führte, unbedingt dazu: Jahrelang, vielleicht für immer, wusste niemand in dieser Familie, wie man ein ehrliches Wort zu jemandem sagt. Jetzt ist der Sohn erwachsen, lebt so weit weg wie möglich, und manchmal besucht er sie – schließlich liebt er sie und braucht sie, und diesmal hofft er, dass ehrliche Worte kommen. Auch die Eltern lieben ihren Sohn, und sie würden ihn noch mehr lieben, wenn sie nur wüssten, was der Fehler war, was der Grund war und wer die Schuld daran trägt, dass ihr Kind nicht „wie der Rest der normalen Welt“ ist. Alles wäre in Ordnung, aber das einzige Problem ist, dass der Sohn bereits so ist wie die normale Welt. Eine intime, ehrliche, poetische, humorvolle und manchmal auch tragische Geschichte über Eltern, die tief im Inneren keinen Weg finden, die Identität ihres non-binären Sohnes zu akzeptieren.

Und last not least Ivo Dimchev, das mittlerweile internationale Markenzeichen für Frechheit, Gemeinheit und Trivialität mit subversiven, provozierenden Botschaften und Liedern. Man kann ihn lieben oder hassen, aber muss ihn einmal gesehen haben.

Danke TESZT und den mutigen Organisatoren für diese spezielle Festival-Sektion. All die anderen hervorragenden großen und kleinen Produktionen sind ausführlich im Festivalprogramm nachzulesen www.teszt.ro

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