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Über 99 Prozent aller Tierversuche in Deutschland werden genehmigt

Die Analyse basiert auf Auskünften aller Genehmigungsbehörden der Bundesländer zu genehmigungspflichtigen Tierversuchsanträgen, die Ärzte gegen Tierversuche von April bis Juni 2025 erfragt hatte.

BildAktuelle Analyse zeigt genauso niedrige Ablehnungsquoten wie vor sieben Jahren

In Deutschland werden weiterhin nahezu alle beantragten Tierversuche genehmigt. Dies zeigt eine Auswertung des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT), die soeben im Fachjournal Altex veröffentlicht wurde. Im Zeitraum von 2022 bis 2024 lag die bundesweite Ablehnungsquote bei lediglich 0,83 Prozent. In vielen Bundesländern wurden über mehrere Jahre hinweg überhaupt keine Anträge abgelehnt.

Die Analyse (1) basiert auf Auskünften aller Genehmigungsbehörden der Bundesländer zu genehmigungspflichtigen Tierversuchsanträgen, die ÄgT von April bis Juni 2025 erfragt hatte. Insgesamt wurden in den drei untersuchten Jahren 6.723 Anträge gestellt, von denen nur 56 abgelehnt wurden. Damit passierten über 99 Prozent aller Anträge das Genehmigungsverfahren.

Besonders bemerkenswert ist nach Ansicht von ÄgT, dass auch nach Inkrafttreten des überarbeiteten Tierschutzgesetzes im Jahr 2021, womit die Prüfungskompetenz der Behörden gestärkt werden sollte, sich keine relevante Verschärfung der Genehmigungspraxis zeigt. Bereits in den Jahren 2015 bis 2017 lag die Ablehnungsquote mit durchschnittlich 0,75 Prozent auf einem vergleichbaren Niveau (2).

„Die Daten zeigen, dass die Ablehnung eines Tierversuchs in der Praxis eine absolute Ausnahme ist“, sagt Dipl.-Biol. Silke Strittmatter, Autorin der Analyse. „Auch nach der Gesetzesreform bleibt die Genehmigung eines Tierversuchs faktisch ein Routinevorgang, selbst wenn die ethische Vertretbarkeit und Unerlässlichkeit hinterfragt werden können.“

Während einige Bundesländer durchgehend Ablehnungsquoten von 0 Prozent aufweisen, liegen andere – etwa Bremen, Berlin oder das Saarland – rechnerisch über 3 Prozent. Diese höheren Werte erklären sich jedoch teilweise durch sehr geringe Fallzahlen oder unklare Datendifferenzierungen zwischen Ablehnungen und Rücknahmen. Insgesamt bleibt das bundesweite Bild eindeutig: Ablehnungen sind die Ausnahme.

Rund 4 bis 5 Prozent der Anträge wurden von den Antragstellern selbst zurückgezogen. Auch dieser Anteil deutet laut ÄgT nicht auf eine nennenswerte Vorfilterung zumindest ethisch besonders problematischer Vorhaben hin.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die unzureichende Transparenz bei behördlichen Auflagen, Modifikationen und Änderungen genehmigter Tierversuche. Viele Bundesländer erfassen diese Daten gar nicht oder erteilen keine detaillierten Auskünfte. Wo Informationen vorliegen, betreffen sie häufig formale Aspekte wie Personalwechsel – substanzielle Änderungen am Versuch selbst sind selten nachvollziehbar dokumentiert.

„Ohne eine systematische und transparente Erfassung von Auflagen und Änderungen bleibt unklar, ob und wie Tierleid im Genehmigungsprozess tatsächlich begrenzt wird“, kommentiert Strittmatter weiter.

Die Analyse zeigt laut ÄgT, dass die gesetzlich vorgesehene Begrenzung von Tierleid sich nicht in der Genehmigungspraxis widerspiegelt. Die weit gefassten Zweckbestimmungen im Tierschutzgesetz würden es ermöglichen, nahezu jeden Tierversuch zu legitimieren. Die Reform von 2021 habe daran bislang nichts geändert. „Damit wird das zentrale Ziel des Tierschutzrechts und der EU-Tierversuchsrichtlinie, deren letztendliches Ziel der Ersatz von Tierversuchen ist, untergraben“, so Strittmatter abschließend.

Quellen

(1) Strittmatter S.: Low rejection rate for animal experiments in Germany despite legal reform. ALTEX 2026, online ahead of print; doi:10.14573/altex.2512081

(2) Strittmatter S.: Applications for animal experiments are rarely rejected in Germany. ALTEX 2019; 36(3): 470-471

Weitere Information

Hintergrundinfos zum Tierschutzgesetz >>

EU-Tierversuchsrichtlinie – Hintergrundinfos >>

Ablehnungsquote bei Tierversuchen in Deutschland trotz Gesetzesreform >>

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

Pressekontakt:

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Tierversuchszahlen 2024 veröffentlicht: über 3 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet

Trotz Rückgangs politisches Konzept für Paradigmenwechsel gefordert.

BildInsgesamt erfasst die offizielle Statistik der Bundesregierung 3.063.569 Tiere, die 2024 im Zusammenhang mit Tierversuchen verwendet und allergrößtenteils getötet wurden (1). Das sind rund 438.000 Tiere weniger als im Jahr zuvor. Der bundesweit tätige Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) begrüßt diesen Rückgang, fordert jedoch, ihn deutlich zu beschleunigen. Der Wandel zu tierversuchsfreien, menschenrelevanten Forschungsansätzen muss politisch priorisiert werden.

Die vom Deutschen Zentrum zum Schutz für Versuchstiere (Bf3R) herausgegebene Statistik zeigt, dass von den insgesamt 3.063.569 Tieren 1.327.931 Tiere direkt in Tierversuchen verwendet wurden (1). Diese enden fast immer mit dem Tod der Tiere. Weitere 626.538 Tiere wurden zu wissenschaftlichen Zwecken wie der Organentnahme getötet. Hinzu kommen 1.109.100 sogenannte Überschusstiere, die für Tierversuche gezüchtet, aber mangels Verwendungszweck getötet wurden. Insgesamt sank die Zahl der Tiere um etwa 12,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Besonders die Zahl der sogenannten Überschusstiere – Tiere, die gezüchtet, aber nicht verwendet und aus wirtschaftlichen Gründen getötet wurden – ist erneut gesunken: um 19 % auf ca. 1,1 Millionen. „Das Sinken der Anzahl der getöteten Überschusstiere könnte damit zusammenhängen, dass der Anteil der gentechnisch veränderten Tiere um 11 % gesunken ist. Gerade bei der Zucht genetisch veränderter Tiere entstehen häufig Tiere, die nicht die gewünschte genetische Ausstattung haben und deswegen getötet werden“, vermutet Dr. Johanna Walter, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT. Bei den getöteten Überschusstieren war bereits im Vorjahr ein Rückgang zu verzeichnen. Im Jahr 2022 hatte der Ärzteverein durch Strafanzeigen die illegale Tötung von Überschusstieren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt (2).

Im Bereich der zweckfreien Grundlagenforschung ist lediglich ein geringer Rückgang um etwa 2 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Tierversuche in diesem Bereich machen weiterhin den größten Anteil der Tierversuche aus, nämlich 758.244 Tiere (57 %).

Wie auch in den Jahren zuvor werden mit 956.636 Tieren (72 %) Mäuse am häufigsten direkt in Versuchen verwendet. Die Zahl der Fische stieg um 9 % auf 176.778. Somit belegen Fische mit etwa 13 % den zweiten Platz in der Statistik. An dritter Stelle folgen Ratten mit 83.369 Tieren (6 %).

Es werden aber auch nach wie vor Kaninchen (57.966) in Tierversuchen eingesetzt. Von diesen Tieren werden beinahe 88 % in der Routineproduktion verwendet, worunter die Herstellung von polyklonalen Antikörpern fällt (3). Auch Hunde (2.220), Affen (1.088), Katzen (698) und Tiere anderer Arten wurden in Tierversuchen verwendet.

Im Jahr 2024 wurden 47.708 Tiere in als „schwer belastend“ klassifizierten Tierversuchen eingesetzt, d.h. diesen Tieren wurde besonders schlimmes Leid zugefügt. Das sind nur etwa 3.000 Tiere weniger als im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, da das Leid der Tiere oft zu gering bewertet wird und selbst sehr leidvolle Versuche als mittel oder gering belastend eingestuft werden (4).

Die Anzahl der in Versuchen verwendeten Affen ist im Vergleich zum Vorjahr um 35 % auf 1.088 gesunken. Der Anteil der Affen, die in Tierversuchen wiederholt verwendet werden, ist dabei mit 19 % hoch. Gerade im Bereich der Grundlagenforschung werden Affen in Versuchen wie invasiver Hirnforschung mehrfach verwendet – oft über Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Um diesem Leid ein Ende zu setzen, hat ÄgT kürzlich in Zusammenarbeit mit PETA die Bundestagspetition „Tierversuche an Affen stoppen“ mit der Sammlung von über 40.000 verifizierten Unterschriften erfolgreich abgeschlossen und dem Petitionsausschuss des Bundestages vorgestellt (5).

Generell wertet ÄgT den Abwärtstrend der Tierversuchszahlen als erfreulich. Nach Aussage des Vereins scheint er sich zu verstetigen und könnte auf die zunehmende Bedeutung tierversuchsfreier Technologien wie Organchips, Zellkulturen und computergestützten Modellen zurückzuführen sein (6).

Dennoch leiden noch immer über 3 Millionen Tiere für Tierversuche, deren Ergebnisse sich nicht auf den Menschen übertragen lassen (7). Das Scheitern der von der Ampelregierung auf den Weg gebrachten Reduktionsstrategie, die im Frühjahr 2025 hätte veröffentlicht werden sollen, zeigt, dass ein klarer politischer Wille zum Wandel bei der aktuellen Bundesregierung fehlt (9). Es mangelt an verbindlichen Fördermaßgaben, Transparenz, und klaren Vorgaben, um tierversuchsfreie Methoden konsequent weiterzuentwickeln und einzusetzen. Während in anderen Ländern wie den USA und Großbritannien konkrete Ausstiegskonzepte entwickelt werden (10), bleibt in Deutschland ein hohes Potenzial ungenutzt.

„Die neuen Zahlen zeigen eine positive Entwicklung, reichen jedoch bei Weitem nicht aus. Jetzt muss der Ausstieg aus Tierversuchen auf politischer Ebene endlich aktiv vorangetrieben und der Fokus konsequent auf wissenschaftlich überlegene, tierversuchsfreie Methoden gelegt werden“, schließt Dr. Walter.

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