Tag Archives: Ärzte gegen Tierversuche

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Bundestagspetition gegen Tierversuchsgesetz erreicht bereits zur Halbzeit mehr als 65.000 Unterschriften

Offenbar ist dies die bislang erfolgreichste Tierschutzpetition auf dem Petitionsportal des Deutschen Bundestages.

BildBündnis sieht starkes Signal an die Bundesregierung

Drei Wochen nach dem Start der öffentlichen Mitzeichnung hat die Bundestagspetition gegen das geplante Tierversuchsgesetz der Bundesregierung bereits mehr als 65.000 Unterschriften erreicht. Das erforderliche Quorum von 30.000 Unterstützern wurde schon am 5. August – nach nur 17 Tagen – überschritten. Eingereicht wurde die Petition von einem Bündnis aus zehn Tierschutzorganisationen*. Sie richtet sich gegen die geplante Ausgliederung der Regelungen zu Tierversuchen aus dem Tierschutzgesetz in ein eigenständiges Tierversuchsgesetz. Die Mitzeichnung läuft noch bis zum 31. August 2026.

Nach den öffentlich verfügbaren Zahlen ist sie die bislang erfolgreichste Tierschutzpetition auf dem offiziellen Petitionsportal des Deutschen Bundestages. Das Bündnis wertet die hohe Beteiligung als deutliches Signal an die Bundesregierung, von der geplanten Ausgliederung der Tierversuchsregelungen aus dem Tierschutzgesetz abzusehen. Durch diese Herauslösung besteht die Gefahr, dass zentrale ethische und rechtliche Schutznormen für die Tiere in den Laboren künftig nicht mehr gelten. Dazu zählen unter anderem das Verbot, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten, sowie Vorgaben für ihre art- und bedürfnisgerechte Ernährung und Unterbringung. „Versuchstiere“ würden somit zu „Tieren zweiter Klasse“.

Gleichzeitig fordert die Petition mehr als den Erhalt des bisherigen – noch unzureichenden – Schutzniveaus. Sie verlangt, die Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie endlich vollständig umzusetzen und den Übergang zu tierleidfreier speziesrelevanter Forschung konsequent voranzutreiben. Dazu gehört auch eine stärkere Förderung moderner Forschungsmethoden, die auf menschlichen Zellen, Geweben oder Daten basieren. Diese ermöglichen Untersuchungen auf Grundlage menschlicher Biologie und adressieren damit ein grundlegendes Problem der tierexperimentellen Forschung: Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nicht zuverlässig von einer Art auf die andere – wie z.B. den Menschen – übertragen.

„Die große Beteiligung zeigt, dass viele Menschen diese Forderungen unterstützen. Das deckt sich mit repräsentativen Umfragen der vergangenen Jahre, nach denen sich eine Mehrheit der Bevölkerung einen Ausstieg aus Tierversuchen wünscht. Tierversuchsfreie Methoden bieten die Chance, Forschung am Menschen auszurichten und gleichzeitig Tiere zu schützen“, so das Bündnis.

Die Organisationen rufen weiterhin dazu auf, die Petition noch bis zum Ende der Mitzeichnungsfrist zu unterstützen. Jede weitere Unterschrift stärkt das Anliegen. Mit Erreichen des Quorums sind die Voraussetzungen für eine öffentliche Anhörung zur Petition im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages erfüllt.

„Die Bundesregierung sollte die breite Unterstützung aus der Bevölkerung zum Anlass nehmen, die geplante Herauslösung der Tierversuchsregelungen aus dem Tierschutzgesetz aufzugeben. Statt den rechtlichen Schutz von Tieren in Laboren zu schwächen und Tierversuche durch ,Verschlankung‘ des Antragsverfahrens noch zu erleichtern, sollte sie die Entwicklung und den Einsatz tierversuchsfreier Verfahren gezielt fördern, um den Anschluss an internationale Spitzenforschung nicht zu verpassen“, erklärt das Bündnis.

Zur Unterzeichnung der Bundestagspetition

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2026/_02/_02/Petition_194593.html

Weitere Infos

ÄgT-Kampagnenseite „Tierversuchsgesetz stoppen“ >>

Gemeinsame Pressemitteilung vom 21.07.2026 >>

* Das Tierschutzbündnis besteht aus:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.,
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.,
Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V.,
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.,
Deutscher Tierschutzbund e.V.,
mensch fair tier e.V.,
Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.,
Politischer Arbeitskreis Tierrechte in Europa e.V.,
Team Tierschutz gGmbH,
PETA Deutschland e.V.

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Melanie Seiler
Lustheide 85
51427 Bergisch Gladbach
Deutschland

fon ..: 02204-99902-24
web ..: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de
email : seiler@aerzte-gegen-tierversuche.de

„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch

Pressekontakt:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Frau Gaby Neumann
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91 Prozent der potenziellen Medikamente scheitern trotz erfolgreicher Tierversuche

Ein internationales Autorenteam mit 13 Forschenden aus 6 Ländern untersuchte die Fehlerquoten und Fehlerursachen der klinischen Arzneimittelentwicklung von den 1960er-Jahren bis 2017.

BildNeue Analyse zeigt dringenden Bedarf an tierversuchsfreien Methoden in der Medikamentenentwicklung

Eine vom bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) geleitete wissenschaftliche Studie eines internationalen Forschungsteams zur Erfolgsquote der Medikamentenentwicklung zeigt: Obwohl immer mehr Tierversuche durchgeführt wurden, ist die Medikamentenentwicklung seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht erfolgreicher darin geworden, wirksame und sichere Medikamente für Menschen zu entwickeln. In den 2000er- und 2010er-Jahren scheiterten durchschnittlich rund 91 Prozent der Wirkstoffkandidaten trotz zuvor erfolgreicher Tierversuche in klinischen Studien am Menschen. Rund 77 Prozent dieser Fehlschläge basieren auf biologischen Gründen, wie mangelnde Wirksamkeit oder unzureichende Sicherheit – genau jene Faktoren, die Tierversuche vorhersagen sollen. Beide Quoten belegen das systematische Versagen von Tierversuchen und den dringenden Bedarf an humanrelevanten, tierversuchsfreien Methoden.

Die Entwicklung neuer Medikamente verläuft in mehreren Stufen: Bevor ein Wirkstoff erstmals am Menschen geprüft werden darf, muss er umfangreiche präklinische Untersuchungen durchlaufen. Dazu gehören insbesondere Tierversuche, die Aussagen über Wirksamkeit, Sicherheit und pharmakologische Eigenschaften liefern sollen. Erst danach folgen klinische Studien am Menschen.

Dennoch scheitert die große Mehrheit in den anschließenden klinischen Studien. Ärzte gegen Tierversuche e.V. kritisiert die geringe Übertragbarkeit tierexperimenteller Ergebnisse seit Langem.

Ein internationales Autorenteam mit 13 Forschenden aus sechs Ländern unter Leitung von Ärzte gegen Tierversuche e.V. untersuchte die Fehlerquoten und Fehlerursachen der klinischen Arzneimittelentwicklung von den 1960er-Jahren bis 2017. Zu den Autoren gehört auch Dr. Wolfgang Boomgaarden, Träger des Herbert-Stiller-Preises 2021 für seine Arbeiten zu computergestützten, tierversuchsfreien Methoden der Medikamentenentwicklung.

Die Analyse zeigt, dass die Fehlerquote seit den 1980er-Jahren in jedem folgenden Jahrzehnt sogar zunahm. In den 2000er- und 2010er-Jahren scheiterten durchschnittlich 91 Prozent der Wirkstoffkandidaten nach erfolgreicher präklinischer Prüfung in den klinischen Studien an Menschen.

Rund 77 Prozent der gescheiterten Medikamentenkandidaten versagten aufgrund biologischer Faktoren – etwa mangelnder Wirksamkeit, unerwarteter Nebenwirkungen oder unzureichender Sicherheit. Dabei handelt es sich um Eigenschaften, die insbesondere in den späten präklinischen Tierversuchen bewertet werden, bevor ein Wirkstoff am Menschen getestet wird.

„Seit Jahrzehnten wird behauptet, Tierversuche seien eine notwendige und verlässliche Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente. Unsere systematische Auswertung zeigt jedoch, dass sich die Situation nicht verbessert hat – sie hat sich sogar verschlechtert“, sagt Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche und eine der beiden führenden Autorinnen der Studie.

„Unsere Analyse macht sichtbar, dass Tierversuche die entscheidenden Risiken für den Menschen häufig nicht erkennen. Ein Wirkstoff kann bei Tieren als sicher und wirksam erscheinen und dennoch beim Menschen wirkungslos sein oder erhebliche Nebenwirkungen verursachen“, erklärt Filipova.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Medikamentenentwicklung dringend neu ausgerichtet werden muss. Statt ineffizienter Tierversuche sollten verstärkt tierversuchsfreie Methoden eingesetzt werden, die menschliche Krankheitsmechanismen und Wirkstoffreaktionen präziser abbilden und verlässlichere Vorhersagen ermöglichen. Das wachsende Interesse von Zulassungsbehörden und Pharmaunternehmen sowie Ausstiegspläne aus Tierversuchen (Roadmaps) der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, der britischen Regierung und der Europäischen Kommission zeigen, dass das internationale Bewusstsein für das fehlerhafte System Tierversuch zunehmend wächst. Humanrelevante und sinnvolle Methoden müssen daher auch in Deutschland zur zentralen Grundlage einer modernen, auf den Menschen fokussierte Arzneimittelforschung werden und Tierversuche ersetzen.

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel: weg von Tierversuchen, die biologische Unterschiede zwischen Tier und Mensch festschreiben, und hin zu präzisen Methoden, die auf menschlichen Zellen, Geweben und Krankheitsprozessen beruhen“, fordert Filipova. „Die vorliegenden Daten zeigen, dass dieser Wechsel nicht irgendwann, sondern jetzt erfolgen muss – im Interesse der Patienten, der wissenschaftlichen Qualität und der Tiere.“

Ärzte gegen Tierversuche e.V. fordert, die Entwicklung und Zulassung humanrelevanter, tierversuchsfreier Methoden konsequent zu fördern und sie zur zentralen Grundlage der Krankheits- und Arzneimittelforschung zu machen.

Quelle

Filipova D. et al. Need for NAMs: A systematic evidence synthesis revealing over half a century of drug development failure. NAM Journal 2026; 2:100119

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Geplantes Tierversuchsgesetz schwächt den Tierschutz – Bundestagspetition gestartet

Ein Bündnis von zehn Tierschutzorganisationen hat die Bundestagspetition initiiert. Bis 31.08.2026 müssen mind. 30.000 Unterzeichner mitmachen, damit das Anliegen in den polit. Prozess eintritt.

BildBündnis startet Bundestagspetition gegen die Pläne der Bundesregierung und ruft zur Unterzeichnung auf

Die Bundesregierung plant ein eigenständiges Gesetz für Tierversuche. Im Rahmen des im Koalitionsvertrag angekündigten Innovationsfreiheitsgesetzes sollen die Regelungen zu Tierversuchen aus dem Tierschutzgesetz herausgelöst und künftig in einem eigenen Gesetz zusammengefasst werden. Ethische und rechtliche Schranken gegen das Zufügen von Schmerzen, Leiden und Schäden sowie gegen die Tötung aus rein wirtschaftlichen Gründen, die derzeit im Tierschutzgesetz verankert sind, könnten damit entfallen. Ein Bündnis von zehn Tierschutzorganisationen* hatte daher bereits Anfang Februar eine Bundestagspetition gegen das Vorhaben eingereicht, die jetzt zur öffentlichen Mitzeichnung freigeschaltet wurde. Bis zum 31. August 2026 können Bürgerinnen und Bürger die Petition online unterzeichnen und sich dafür einsetzen, dass das geplante Tierversuchsgesetz nicht umgesetzt wird und die Regelungen zu Tierversuchen im Tierschutzgesetz verbleiben. Werden mindestens 30.000 Unterschriften erreicht, kommt es zu einer Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestags. Das Bündnis kommentiert:

„Millionen Tieren droht durch die Ausgliederung der Tierversuchsregelungen aus dem Tierschutzgesetz eine massive Verschlechterung ihres ohnehin schon unzureichenden rechtlichen Schutzes. Damit würde der Gesetzgeber gegen das in der Verfassung festgesetzte Staatsziel Tierschutz sowie den bei früheren Novellierungen des Tierschutzgesetzes beachteten Grundsatz, nicht hinter geltendes Recht zurückzugehen, verstoßen. Überzählige Tiere, die gezüchtet wurden, ohne in einem Versuch eingesetzt zu werden, sowie Tiere, die den Tierversuch überlebt haben, könnten ohne den bislang im §17 Tierschutzgesetz geforderten ,vernünftigen Grund‘ legal getötet werden. Unter anderem könnte auch die Pflicht zur art- und bedürfnisgerechten Ernährung, Pflege und Unterbringung der Tiere entfallen. Tierversuchsbefürworter fordern zudem Erleichterungen im Genehmigungsverfahren, wodurch die Prüftiefe der Behörden weiter eingeschränkt werden könnte. Außerdem könnten Tierschutzverbände in Bundesländern mit Verbandsklagerecht die Möglichkeit verlieren, Genehmigungen gerichtlich überprüfen zu lassen.

Während die Europäische Union den Übergang zu speziesrelevanten und tierleidfreien Methoden längst vorantreibt und deren Entwicklung, Validierung und rechtlich verpflichtende Anwendung gezielt fördert, plant die Bundesregierung Tierversuche sogar zu erleichtern. Dabei sollte im Rahmen des Innovationsfreiheitsgesetzes vielmehr die Transformation hin zu zukunftstauglichen tierleidfreien Methoden gesetzlich verankert werden. Nur so kann Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit international sichern. Wir fordern eine innovative, speziesrelevante und tierleidfreie Wissenschaft.“

Die Tierschutzorganisationen rufen dazu auf, die Bundestagspetition „Stopp des geplanten Tierversuchsgesetzes“ auf der Website des Deutschen Bundestags zu unterzeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2026/_02/_02/Petition_194593.html

*Das Tierschutzbündnis besteht aus:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.,
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.,
Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V.,
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V.,
Deutscher Tierschutzbund e.V.,
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Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.,
Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa e.V.,
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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch

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Bundeswehr will Tierversuche ausweiten

Links zu den Original-Antworten der Bundesregierung

BildBundesregierung hält zentrale Informationen zu Tierversuchen bei der Bundeswehr unter Verschluss

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die geplante Ausweitung von Tierversuchen bei der Bundeswehr. Aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke geht hervor, dass die Bundeswehr bis zum Jahr 2029 ihre Tierversuche erhöhen will. Als Grund nennt die Bundesregierung die veränderte geopolitische Lage. Gleichzeitig bleiben wesentliche Informationen zu Versuchszwecken und Schweregraden der Versuche unter Verschluss.

Zwischen 2020 und 2025 beantragte die Bundeswehr insgesamt 17 Tierversuchsvorhaben. Keiner der Anträge wurde abgelehnt. Damit entspricht die Genehmigungspraxis dem bundesweiten Trend: Rund 99 Prozent aller Tierversuchsanträge erhalten eine Genehmigung. Für 2026 sind weitere Vorhaben geplant.

Zur Zahl der eingesetzten Tiere macht die Bundesregierung in ihren aktuellen Antworten keine Angaben. Sie begründet dies mit dem Schutz des Staatswohls und der Gefahr einer missbräuchlichen Nutzung der Informationen. Für die Jahre 2020 bis 2024 liegen jedoch Daten aus einer früheren Schriftlichen Frage der Bundestagsabgeordneten Ina Latendorf vor. Demnach wurden 1.682 Ratten, 50 Mäuse und sechs Meerschweinchen zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Zudem kamen Ratten, Hunde, Schafe und Wölfe in Versuchen zum Einsatz. Ob diese Angaben auch von der Bundeswehr an externe Einrichtungen vergebene Forschungsprojekte umfassen, bleibt unklar.

Konkrete Versuchszwecke nennt die Bundesregierung nur für Hunde und Wölfe. Für die übrigen Tiere verweist sie lediglich auf die Suche nach Wirkstoffen gegen neuromuskuläre Störungen nach Nervenkampfstoffvergiftungen sowie auf die Verbesserung von Therapien bei Vergiftungen durch Kampfstoffe. Angaben zu den Schweregraden der Versuche fehlen. Da Schweregrade für sich genommen keine militärisch relevanten Informationen enthalten, lässt die Geheimhaltung mutmaßen, dass darunter Versuche mit schwersten Belastungen und Folgen für die Tiere sind.

Darüber hinaus nutzt die Bundeswehr externe Anbieter für chirurgische Trainings. Welche Tierarten dabei eingesetzt werden und wie viele Tiere betroffen sind, teilt die Bundesregierung nicht mit. Die Tiere werden im Anschluss getötet. Unklar bleibt auch, ob diese Tiere in den bisher veröffentlichten Zahlen enthalten sind. Da bei chirurgischen Trainings häufig Schweine zum Einsatz kommen, weisen die bisherigen Informationen darauf hin, dass diese Tiere in den Zahlen fehlen.

Auch die Ausgaben für Tierversuche bei der Bundeswehr lassen sich nicht nachvollziehen. Die Bundesregierung erklärt, dass sie die dafür eingesetzten finanziellen Mittel nicht gesondert erfasst.

Die Bundesregierung erklärt außerdem, dass derzeit keine Projekte geplant sind, bei denen Tiere als Waffen, lebende Drohnen oder für vergleichbare militärische Zwecke eingesetzt werden. Eine grundsätzliche Ablehnung solcher Anwendungen geht aus den Antworten jedoch nicht hervor. Außerhalb Deutschlands sind z.B. bereits Experimente mit Tauben als „lebende Drohnen“ gemacht worden.

Die Antworten fügen sich insgesamt in ein bekanntes Bild ein:
„Während die EU, einzelne Staaten und Teile der Pharmaindustrie den Ausbau tierversuchsfreier Methoden und die Reduktion von Tierversuchen vorantreiben, erscheint der Kurs der Bundesregierung im Hinblick auf die geplante Erhöhung der Zahlen von Tierversuchen in der Bundeswehr und die derzeitige Ausarbeitung eines eigenständigen Tierversuchsgesetzes rückschrittlich“, sagt Dr. Leah Haut, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Dabei stehen für Fragestellungen zur menschlichen Gesundheit moderne Methoden wie Organoide, Organ-on-Chip-Systeme und computergestützte Modelle zur Verfügung. Auch chirurgische Trainings lassen sich an Übungsmodellen ohne Tiere durchführen. Diese sinnvollen Methoden sind jedoch massiv unterfinanziert.“

Ärzte gegen Tierversuche fordert die Bundesregierung auf, vollständige Transparenz über den Einsatz von Tieren bei der Bundeswehr zu schaffen, die finanzielle Förderung von Tierversuchen und tierversuchsfreien Methoden gesondert auszuweisen sowie tierversuchsfreie und humanrelevante Forschungsmethoden gezielt zu fördern. Öffentliche Mittel müssen sowohl bei der Bundeswehr, als auch in der gesamten deutschen Forschungslandschaft in humanbasierte und für den Menschen sinnvolle Verfahren fließen. Im Interesse von Mensch und Tier fordert Ärzte gegen Tierversuche die Bundesregierung zudem auf, einen verbindlichen Ausstiegsplan aus Tierversuchen zu erarbeiten.

Weitere Informationen
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Versuchstiere bei der Bundeswehr“. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6316, 05.06.2026

Schriftliche Fragen, Antwort auf Frage 58. Abgeordnete Ina Latendorf. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/3928, 30.01.2026

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Virtuelle Maus statt medizinischer Fortschritt

Auch die virtuelle Maus bedeutet forschen an der falschen Spezies.

BildÄrzte gegen Tierversuche kritisiert Festhalten am tierversuchsbasierten System durch digitale Nachbildung von „Versuchs“tieren

Forschende aus der Schweiz haben ein KI-gestütztes Computermodell entwickelt, das die Verteilung von Nanomaterialien in den Organen einer „Labor“maus voraussagen soll. Ziel des Projekts ist es, die Zahl der Tierversuche in der Medikamentenentwicklung zu reduzieren. Der bundesweit tätige Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) bewertet diesen Ansatz als wissenschaftliche Sackgasse. Da das Modell auf der Biologie von Mäusen basiert, liefere es keine relevanten Daten für die Anwendung am Menschen. Statt tierbasierte Forschung – ob real oder digital – weiterzuentwickeln, fordert Ärzte gegen Tierversuche einen konsequenten Umstieg auf moderne, tierversuchsfreie Forschungsmethoden, die unmittelbar auf den Menschen ausgerichtet sind und einen echten medizinischen Fortschritt ermöglichen.

In dem aktuellen Forschungsprojekt der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben Wissenschaftler mithilfe von maschinellem Lernen ein in-silico-Modell einer Maus erschaffen. Diese „virtuelle Maus“ berechnet, wie sich winzige Nanopartikel im Organismus des Nagers verteilen und in welchen Organen wie Lunge, Nieren, Leber oder Milz sie sich ansammeln. Damit soll das Modell als Entscheidungshilfe in der Medikamentenentwicklung – beispielsweise beim Transport von Chemotherapeutika über die Blut-Hirn-Schranke zur Behandlung von Hirntumoren – dienen und die Anzahl realer Tierversuche minimieren.

Aus Sicht von Ärzte gegen Tierversuche greift dieser Ansatz jedoch wissenschaftlich zu kurz. Das grundlegende Problem der fehlenden Übertragbarkeit von Tierversuchsdaten auf den Menschen wird durch die Digitalisierung eines ungeeigneten Modells nicht gelöst, sondern lediglich verlagert.

„Die Entwicklung zeigt zwar, dass auch in der etablierten Forschung nach Wegen gesucht wird, die immense Anzahl an Tierversuchen zu senken, doch eine virtuelle Maus bleibt im Kern eben eine Maus. Für den kranken Menschen sind diese Daten irrelevant“, erklärt Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT. „Die ohnehin fehlende Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen wird nicht dadurch besser, dass man die nicht mit dem Menschen vergleichbare Physiologie eines Nagetiers digitalisiert. Was wir brauchen, ist keine virtuelle Maus, sondern eine konsequent humanbasierte Forschung.“

Das Empa-Modell basiert auf biologischen Daten von Mäusen, um die Verteilung von Nanopartikeln zu kalkulieren. Menschliche Barrieren, Zellstrukturen und Stoffwechselwege unterscheiden sich jedoch drastisch von denen eines Nagetiers. Die gezielte Bekämpfung von Krankheiten beim Menschen erfordert daher zwingend den Einsatz von Methoden, die auf menschlichen Systemen beruhen.

„Tierversuche und ihre digitalen Abbilder sind eine Sackgasse für die moderne Medizin. Statt Ressourcen in die mathematische Nachbildung von Mäuseorganen zu investieren, muss der Fokus vollständig auf bereits existierenden, tierversuchsfreien Methoden für den Menschen liegen“, so Neumann. „Multi-Organ-Chips, Organoide und moderne in-silico-Modelle auf Basis menschlicher Zell- und Gewebedaten sind der einzige Weg, um Medikamente sicher und effektiv für Patienten zu entwickeln. Nur eine humanbasierte Forschung bringt die medizinische Wissenschaft wirklich voran.“

Der Verein fordert daher ein konsequentes Umdenken in der Forschungsförderung und Politik, um nicht länger veraltete Tierversuchsstrukturen digital zu konservieren, sondern den Ausstieg aus dem Tierversuch durch echte, auf den Menschen übertragbare Innovationen zu realisieren.

Quelle

Weniger Tierversuche dank virtueller Maus. Empa 28.05.2026 >>

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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch

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