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150 Jahre Adventisten in Deutschland: Schulzentrum Marienhöhe

Das Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt wurde 1924 als Seminar gegründet. Heute umfasst es die Schulzweige Gymnasium mit Kolleg, Realschule und Grundschule sowie ein Internat.

BildTräger des Schulzentrums ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. 1876 wurden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) die ersten beiden adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) auf deutschem Boden gegründet. Deshalb feiert die Freikirche in Deutschland unter dem Motto „Mut für morgen“ in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen (siehe APD-Meldung vom 27. Januar 2026).

Wie aus der Chronik der Marienhöhe hervorgeht, begann die bewegte Geschichte des Schulzentrums bereits im Jahr 1911. Den Namen „Marienhöhe“ erhielt dieser Ort am Rande des ehemaligen großherzoglichen Waldparks zwischen den Darmstädter Stadtteilen Bessungen und Eberstadt zu Ehren der Prinzessin Maria von Hessen-Darmstadt (1824 -1880). Als spätere Zarin Maria Alexandrowa – ihr Mann war der Zar Alexander II. – wurde sie die Mutter von Zar Alexander III. und die Großmutter des letzten russischen Zaren Nikolaus II.

Beginn mit einer Tanzschule für Mädchen

Der letzte Großherzog von Darmstadt-Hessen stellte der Tanzpädagogin Elisabeth Duncan das Gelände zur Verfügung. Er ließ als Förderer ein großzügiges Jugendstilgebäude (Architekt: Rudolf Tillessen) mit Parkanlagen bauen, das als Internat, Schule und natürlicher Raum für Ausdruckstanz dienen sollte. Es wurde am 17. Dezember 1911 eingeweiht.

Die Pädagogik Duncans war von der deutschen Lebensreformbewegung, aber auch schon von der in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen amerikanischen Reformpädagogik geprägt, die auch die Pädagogik der Siebenten-Tags-Adventisten beeinflusste. Körper, Seele und Geist der Schülerinnen sollten sich gleichermaßen entwickeln. Im Tanzunterricht lernten Mädchen im Alter von fünf bis 16 Jahren, ihren eigenen individuellen tänzerischen Ausdruck zu entwickeln. Dabei sollte auf kindliche Eigenart eingegangen werden. Das Ziel, die eigene Ausdrucksfähigkeit zu steigern, wandte sich gegen den damals in der Gesellschaft üblichen Zwang und Drill. Zum pädagogischen Ansatz gehörten auch nicht einengende Reformkleidung, zweckmäßige Nahrung, frische Luft, Rhythmisierung des Schulalltags und die Einbindung in die Natur.

Bis heute profitiert das Schulzentrum von der naturnahen Lage. Die Marienhöhe ist immer noch eine „Insel im Grünen“, eine Schule mit parkähnlichem Gelände und einem architektonisch wunderschön gestalteten Haupthaus, das auch das Logo des Schulzentrums bildet. „Ganzheitlichkeit leben“ ist laut Chronik ein Merkmal des freikirchlichen Schulträgers, die er lebendig halten und immer wieder lebendig machen möchte.

Ganzheitlich ausgerichtetes Ausbildungszentrum

1924 kaufte der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG) im Auftrag der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten das Gelände. Die Behörden genehmigen die Einrichtung einer Missionsschule. Im Frühjahr begann am „Seminar Marienhöhe“ der Unterricht verschiedener Ausbildungsgänge: Predigerseminar für angehende Pastoren und Missionare, dazu eine Handelsschule, Haushaltungsschule, Krankenpflegevorschule und bald auch ein Lehrgang für allgemeine höhere Ausbildung. Das Abitur musste aber extern an einem Darmstädter Gymnasium abgelegt werden. Außerdem gab es den Kurs „Deutsch für Ausländer“. Die Schülerzahl stieg bis auf 230. Vorbildlich bis heute war der Mut, nicht nur eine, sondern mehrere Schulformen anzubieten. War damals die Marienhöhe ein ganzheitlich ausgerichtetes „Ausbildungszentrum“, so ist sie heute ein „Schulzentrum“, zu dem seit 2010 auch erstmals eine Grundschule gehört.

Schließung und Beschlagnahme des Schulzentrums

1933 wurde die Schule von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) geschlossen. Bücher und Geld wurden beschlagnahmt, die Lehrsäle, die Büroräume und die Druckerei versiegelt. Die Schüler mussten sofort nach Hause fahren. Nach sieben Wochen wurde das Schulverbot wieder aufgehoben. 1934 schloss die Marienhöhe den Predigerlehrgang und 1936 auch den Lehrgang für allgemeine höhere Ausbildung. Die Schülerzahl sank beträchtlich. Zum 1. April 1939 entschied sich der Schulträger auf Empfehlung der staatlichen Schulbehörde, die Schule zu schließen, da die geringe Schülerzahl das Weiterführen des Schulbetriebs nicht rechtfertige. Das Gelände blieb noch zwei Jahre in der Hand des Schulträgers und diente erholungsmäßigen Zwecken. Einer der Schulbetriebe, die Matratzenherstellung, lief noch einige Zeit weiter. 1941 wurde das Schulgelände beschlagnahmt und die Wehrmacht zog in die Gebäude ein.

Wiedereröffnung

Im Sommer 1948 erhielt der Schulträger die Marienhöhe von der Besatzungsmacht zurück. Die internationale Flüchtlingsorganisation begann das Grundstück und die Gebäude zu räumen. Zurück blieben ein verwahrlostes Gelände und verräucherte, verschmutzte Gebäude. Im August 1948 trafen 25 zukünftige Theologiestudenten ein. Die meisten von ihnen verstanden etwas von handwerklicher Arbeit. Sofort wurde mit Wiederaufbau-, Sanierungs- und Reinigungsarbeiten begonnen.

Am 2. Oktober 1948 fand die feierliche Wiedereröffnung der Marienhöhe statt, nachdem die neue Schulaufsichtsbehörde ihre Genehmigung zur Aufnahme des Schulbetriebs erteilt hatte. Begonnen wurde mit den Lehrgängen theologische Ausbildung (Predigerseminar), Haushaltungsschule und Krankenpflegevorschule. Auch die Werkstätten wurden wieder eröffnet.

Das Aufbaugymnasium

Zu Anfang des Schuljahres 1949/50 genehmigte die hessische Landesregierung dem Schulträger mit der 1. Klasse (7. Schuljahr) eines neuen Aufbaugymnasiums auf der Marienhöhe zu beginnen. Im Mai 1949 fand die Grundsteinlegung für das neue Unterrichtsgebäude statt, in dem die Klassen des Aufbaugymnasiums Platz finden sollten. Zum Schuljahr 1950/51 bezogen die zwei Anfangsklassen des Aufbaugymnasiums ihr neues Klassengebäude. Auch die Handelsschule wurde 1950 wieder eingerichtet. Die Schülerzahl wuchs ständig. 1949 waren es 60 und im Jahr 1952 schon 160. Im Frühjahr 1955 fand die erste Abiturprüfung auf der Marienhöhe statt. Drei Schülerinnen und dreizehn Schüler nahmen daran teil. Sie bestanden alle und hinterließen einen guten Gesamteindruck. Das erfolgreiche erste Abitur und die volle Klassenzahl führten nun auch zur staatlichen Anerkennung des Aufbaugymnasiums in Hessen. Im Schuljahr 1956/57 folgte die staatliche Anerkennung in der Bundesrepublik. Die Schülerzahl wuchs auf 300.

Naturwissenschaftlicher und neusprachlicher Zweig

Im Schuljahr 1959/60 wurde im Aufbaugymnasium die Aufteilung in einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen neusprachlichen Zweig auf der Oberstufe eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, ab Klasse 11 zwischen beiden zu wählen.

Die Handelsschule wurde 1962 aus Gründen, welche die Gesamtökonomie der Schule betrafen, stillgelegt. Auch die Haushaltungsschule und die Krankenpflegevorschule nahmen einen ähnlichen Weg.

Gymnasium mit besonderer Prägung

Im Schuljahr 1970-71 wurde auf Anregung aus der Lehrerschaft und mit Billigung des Schulträgers eine Umstrukturierung vorgenommen. Sie betraf die Oberstufe, die nun in eine Studienstufe mit Kurssystem umgewandelt wurde. Die neue Ordnung folgte den Richtlinien der Kultusministerkonferenz. Dadurch gehörte die Marienhöhe zu den ersten Versuchsschulen in Hessen bezüglich der reformierten gymnasialen Oberstufe. Nun wurde auch Schülerinnen und Schülern aus dem Berufsleben (Kollegiaten) der zweite Bildungsweg im Aufbaugymnasium eröffnet. Auch die Fünf-Tage-Woche wurde eingeführt. Mit dieser neuen Struktur war das Aufbaugymnasium Marienhöhe vielen anderen Gymnasien voraus. Die Schülerzahl wuchs in den 1970ern erheblich von 280 (1970/71) auf 520 (1979/80).

Das Kolleg wurde im November 1983 staatlich anerkannt. Das Aufbaugymnasium wurde 1988 mit der Einrichtung einer 5. Klasse zum Gymnasium. Die Schülerzahl wuchs auf 600 an (1989/90).

Verlegung des Theologischen Seminars – neuer Realschulzweig

Die Wiedervereinigung Deutschlands hatte für die Marienhöhe eine einschneidende Folge: das Theologische Seminar wurde von 1991 bis 1994 schrittweise abgebaut, da die theologische Ausbildung der Adventisten in Deutschland ganz zur staatlich anerkannten Theologischen Hochschule in Friedensau (Nähe Magdeburg) verlagert wurde.

Der eine Schulzweig ging verloren, dafür wurde ein anderer dazugewonnen: die Marienhöhe erhielt die Genehmigung zur Einrichtung eines Realschulzweiges ab Klasse 7. Die staatliche Anerkennung erfolgt 1996. Drei Jahre später wurde auch die Betriebserlaubnis für die 5. und 6. Klasse der Realschule erteilt.

2007 begann die Umgestaltung der umfangreichen Studienbibliothek in eine Schulmediothek auf neuestem Stand. Umbaumaßnahmen, eine moderne Einrichtung und neben Büchern auch moderne Medien wie CDs und DVDs tragen den Ansprüchen einer modernen Schulbibliothek Rechnung. Internet-Arbeitsplätze ergänzen die Möglichkeiten der umfassenden Information und Recherche.

„Gesundheitsfördernde Schule“

Der Grundschulzweig wurde 2010 eingerichtet und startet mit einer Klasse 2. Seit 2014/15 bietet sie einzügig alle Grundschulklassen an.

Seit 2006 nahm die Marienhöhe am Projekt des Hessischen Kultusministeriums „Gesundheitsfördernde Schule“ teil. 2008 wurden vier Teilzertifikate verliehen (für Sucht- und Gewaltprävention, Ernährung, Bewegung, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung). 2010 konnte nach weiteren Umsetzungen das Gesamtzertifikat von der Kultusministerin in Empfang genommen werden. Die Teilzertifizierungen haben wichtige Lernprozesse ausgelöst oder verstärkt. Schulentwicklung ist ein bewusster Teil des Schulzentrums als „lernende Organisation“ geworden. Auf dem Weg zum Gesamtzertifikat „gesundheitsfördernde Schule“ wurden ab 2008 Maßnahmen durchgeführt, die zur Anerkennung Anfang 2010 führten. Dabei wurden alle Qualitätsbereiche des Hessischen Referenzrahmens Schulqualität berücksichtigt. Diese Auszeichnung als „gesundheitsfördernde Schule“ erhielt das Schulzentrum auch 2015 und 2025.

Im Januar 2012 war das neue Schulhaus bezugsfertig. Es erweitert die pädagogischen Spielräume der Lehrerinnen und Lehrer. Alle Räume sind mit modernsten interaktiven Tafeln ausgestattet, die viele Möglichkeiten sowohl des instruierenden wie auch des kooperativen Unterrichts verwirklichen lassen. Mit dem Bezug des neuen Schulgebäudes startete auch ein neues Raumprinzip. Nicht mehr die Lehrkräfte gehen in den festen Raum der Klasse, sondern die Schüler ab Klasse 6 in den Raum der Lehrkraft (Lehrerraumprinzip).

Am 8. Juni 2025 feierte das Schulzentrum offiziell sein 100-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst und einer Jubiläumsfeier.

Gegenwärtig besteht das Schulzentrum Marienhöhe aus jeweils einer Grund- und Realschule sowie dem Gymnasium mit Kolleg. Dazu kommt ein Internat. Es werden insgesamt rund 800 Schülerinnen und Schülern in 44 Klassen von 84 Lehrkräften unterrichtet. Der Schulcampus umfasst 40.000 Quadratmeter Fläche. Informationen: https://www.marienhoehe.de.

Auf dem Campusgelände des Schulzentrums wurde am 17. Juni 2026 die gemeinsame Verwaltungsdienststelle der beiden Verbände der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland (Nord- und Süddeutscher Verband) eingeweiht. Zu diesem Zweck wurde ein ehemaliges Internatswohnheim zu einem Bürogebäude umgebaut.

Chronik erschienen

Zum Jubiläum des Schulzentrums Marienhöhe ist im vergangenen Jahr auch eine umfangreiche und bebilderte Chronik erschienen (_100 Jahre Marienhöhe – Eine Chronik_), die gegen eine freiwillige Spende und Versandkosten (Richtwert für beides: 30 Euro) beim Schulzentrum bestellt werden kann: Schulzentrum Marienhöhe, Auf der Marienhöhe 32, 64297 Darmstadt; E-Mail: info@marienhoehe.de

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

Adventistischer Pressedienst Deutschland (APD)
Thomas Lobitz
Auf der Marienhöhe 61
64297 Darmstadt
Deutschland

fon ..: 04131 9835-533
web ..: https://www.apd.info
email : lobitz@apd.info

Der Adventistische Pressedienst (APD) Deutschland wurde 1984 gegründet und informiert über Aktivitäten sowohl aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als auch aus der christlichen Welt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Themen wie soziales Engagement, Bildung, Gesundheit, Religionsfreiheit und Spiritualität. Der APD hat seinen Sitz in Darmstadt.

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150 Jahre Adventisten in Deutschland: Krankenhaus Waldfriede, Berlin

Das Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf wurde 1920 gegründet. Außer der Charité ist keine andere Klinik in Berlin seit über 100 Jahren am selben Standort und unter der gleichen Trägerschaft.

BildTräger der Einrichtung ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. 1876 wurden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) die ersten beiden adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) auf deutschem Boden gegründet. Deshalb feiert die Freikirche in Deutschland unter dem Motto „Mut für morgen“ in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen (siehe APD-Meldung vom 27. Januar 2026).

Adventisten und Gesundheit – Beginn in Friedensau

Von Anfang an verstanden sich die Adventisten als geistliche, aber auch als sozial verantwortliche Kirche. Dabei spielt die Gesunderhaltung des Menschen eine besondere Rolle. Bereits 1898 kam aus den USA der deutsch-amerikanische Arzt Dr. A. J. Hoenes nach Deutschland, um ein adventistisches Gesundheitswesen aufzubauen. Als rechtliche Grundlage wurde ein Verein gegründet, der im April 1900 beim Königlichen Amtsgericht Loburg unter dem Namen „Deutscher Verein für Gesundheitspflege e.V. zu Friedensau, Kreis Jerichow 1“ (DVG) angemeldet wurde. In Friedensau, etwa 35 Kilometer östlich von Magdeburg gelegen, erwarb die Freikirche 1899 ein 35 Hektar großes Grundstück. Darauf entstand nicht nur eine Missionsschule, sondern auch eine Nährmittelfabrik zur Herstellung von Produkten der Kellogg-Company, ein Sanatorium mit angeschlossener Krankenpflegeschule, die Friedensauer Schwesternschaft als eigenständiger Berufsverband und ein Seniorenheim. Außerdem wurde die Zeitschrift _Gute Gesundheit_ ins Leben gerufen (siehe APD-Meldung vom 22. Mai 2026).

Im Ersten Weltkrieg diente das Sanatorium zeitweise als Lazarett. 1919 kam das Sanatorium infolge der Auswirkungen des allgemeinen Zusammenbruchs in Deutschland und der schlechten Verkehrsanbindung Friedensaus nicht mehr in Gang. Es sollte stattdessen eine Einrichtung in Großstadtnähe gegründet werden.

Fortsetzung in Berlin

1919 kaufte der Arzt Dr. Louis E. Conradi im Auftrag der Freikirchenleitung in Berlin-Zehlendorf ein Grundstück am Rande des Grunewalds sowie dem nahegelegenen Schlachtensee mit den dazugehörigen Gebäuden des ehemaligen Lungensanatoriums von Dr. Ziegelroth. Dr. Conradi, seine Ehefrau, eine Krankenschwester und ein Krankenpfleger sowie ein Mitarbeiter der Verwaltung waren die eigentlichen Pioniere des damaligen „Sanatorium und Klinik Waldfriede“.

Nach dem Vorbild des im Jahr 1886 gegründeten adventistischen Battle Creek Krankenhauses in Michigan, USA, das vom Arzt Dr. John Harvey Kellogg geleitet wurde, der unter anderem die Cornflakes erfand, sollte in Waldfriede nicht nur der medizinische, sondern vor allem der präventive und ganzheitliche Behandlungsansatz im Vordergrund stehen. Am 15. April 1920 wurde das Akutkrankenhaus Waldfriede eröffnet. Die Gesundheitseinrichtung begann mit 39 Betten in 27 Krankenzimmern und einem noch nicht fertiggestellten Operationssaal.

In den Jahren 1922/23 ermöglichten Spenden und eigene Mittel einen Erweiterungsbau. 1922 erhielt das Krankenhaus die staatliche Anerkennung und die Erlaubnis, eine Krankenpflegeschule zu eröffnen. Diese besteht bis heute als Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege mit über 70 Ausbildungsplätzen und ist seit Herbst 2023 im benachbarten Teltow ansässig.

Der Krankenhausstandort durchlebte im Laufe der nächsten Jahrzehnte Höhen und Tiefen. Vor allem in den ersten 25 Jahren waren mit den Auswirkungen der Inflation, der Weltwirtschaftskrise, dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg große Schwierigkeiten zu bewältigen. Von den Bombenangriffen in den 1940er-Jahren blieb das Krankenhaus verschont.

Sozialstation und „Prima Vita“

In der jüngeren Vergangenheit kam es 1986 zum Aufbau eines ehrenamtlichen Hilfsdienstes, der den Patienten von der Aufnahme bis zur Begleitung auf den Stationen behilflich ist. Das Krankenhaus hatte in diesem Jahr seinen Höchststand mit 230 Betten erreicht (heute 175 Betten). Am 1. Oktober 1989 wurde eine Sozialstation gegründet und erstmalig in Deutschland an ein Akutkrankenhaus angesiedelt. Kranke und pflegebedürftige Menschen in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung zu versorgen und ihre Selbständigkeit so weit als möglich zu erhalten und zu fördern, ist seitdem das Ziel dieser Arbeit.

1993 wurde mit dem „Gesundheitszentrum PrimaVita“ erstmals an einem Akutkrankenhaus in Deutschland ein Gesundheitsförderungszentrum mit einem strukturierten Präventivprogramm hinzugefügt. Bereits 1984, lange bevor sich der Gesetzgeber mit Präventionsprogrammen befasste, fanden im Krankenhaus Waldfriede Gesundheitsseminare statt. Im Jahr 2002 wurde das Gesundheitszentrum inhaltlich, personell und mit Partnern erweitert. Seitdem wird ein breites präventivmedizinisches Spektrum an Kursen und Seminaren zu den Themen Bewegung, Ernährung, Gewichtsmanagement und allgemeiner Lebensstil von Medizinern, Ernährungswissenschaftlern, Bewegungstherapeuten, Psychologen und ehrenamtlichen Mitarbeitern angeboten.

1999 erfolgte die Gründung der „Servicegesellschaft Krankenhaus Waldfriede“ (SKW), die vor allem die Wirtschafts- und Versorgungsleistungen erbringt und verantwortlich für Verpflegung, Reinigung, Transportdienst und Bettenzentrale ist.

Babywiege und Kita

Seit September 2000 bot Waldfriede weltweit als erstes Krankenhaus mit der „Babywiege“ (Babyklappe) ein umfangreiches Beratungs- und Betreuungskonzept an. Das Projekt wurde wegen mangelndem Bedarf im März 2025 beendet, da durch ein neues Gesetz mit der „Vertraulichen Geburt“ nun Frauen die Möglichkeit haben, ihr Kind medizinisch sicher und anonym zur Welt zu bringen.

2005 wurde Waldfriede eines von acht anerkannten Brustkrebszentren in Berlin mit einem DMP-Vertrag der Krankenkassen. Im selben Jahr wurde das Krankenhaus zum ersten Mal nach KTQ (Kooperation für Transparenz und Gesundheitswesen) zertifiziert. Außerdem erhielt es eine Auszeichnung als „rauchfreies Krankenhaus“. 2006 entstand das Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie. Seit September 2007 wird vom Krankenhaus in Zusammenarbeit mit dem Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW) eine Kindertagesstätte mit 60 Plätzen betrieben.

Angstfreies Krankenhaus

Zur Stärkung der internationalen Beziehungen schloss Waldfriede 2008 eine Kooperationsvereinbarung mit der Florida-Hospital-Kette in Orlando/USA ab. Sie beinhaltet die Zusammenarbeit auf dem medizinischen, pflegerischen und administrativen Sektor. Zudem wurde Waldfriede mit seinem „Interdisziplinären Darm- und Beckenbodenzentrum“ Europäische Ausbildungsstätte für Operationstechniken, an der Ärzte aus dem In- und Ausland teilnehmen. 2008 übernahm das Krankenhaus vom Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf das Schwimmbad am Teltower Damm, um dort sämtliche Schwimmkurse und medizinische Wasseranwendungen im Rahmen des präventiven Kursprogramms durchzuführen.

Beim Projekt „Angstfreies Krankenhaus“ handelt es sich seit 2011 um ein besonderes Angebot, das den Leidensdruck von Erkrankten verringern möchte und so deren rasche Heilung begünstigt. Am 11. September 2013 öffnete das „Dessert Flower Center Waldfriede“ seine Pforten. In dem weltweit ersten Zentrum seiner Art werden Frauen und Mädchen behandelt, deren äußere Genitalien verstümmelt wurden. Dabei werden verstümmelte Genitalien operativ wieder hergestellt und die betroffenen Frauen psychologisch betreut und bestmöglich rehabilitiert.

Privatklinik und Tagesklinik

Mit der „Privatklinik Nikolassee“ gibt es seit 2012 ein zweites adventistisches Akutkrankenhaus in Berlin. Die Klinik mit 16 Behandlungsplätzen für Innere Medizin, Psychosomatik und Psychiatrie liegt nur drei Kilometer vom Krankenhaus Waldfriede entfernt. Während sich die Privatklinik mit einem stationären Angebot an Menschen mit psychiatrisch-psychosomatischen Erkrankungen wendet, bietet die 2017 eröffnete „Psychiatrisch-Psychosomatische Tagesklinik Waldfriede“ eine ambulante Behandlung an.

Ein Roboter für Waldfriede

Zu Beginn des Jahres 2021 wurde mit der Anschaffung des Chirurgiesystems „DaVinci“ die neue Abteilung „Zentrum Onkologische Oberbauchchirurgie und Robotik“ in Betrieb genommen. Mit der Zertifizierung drei weiterer Krebszentren, dem Analkarzinom-, dem Pankreaskarzinom- und dem Viszeralonkologischen Krebszentrum, vergrößerte und erweiterte 2022 das Krankenhaus seine Kompetenzen im Bereich des onkologischen Schwerpunkts.

Das Krankenhaus Waldfriede erhielt 2025 zum fünften Mal in Folge von der US-amerikanischen Zeitschrift „Newsweek“ die Auszeichnung als eines der besten Krankenhäuser weltweit.

Bereits 1996 wurde Waldfriede „Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin“. Seit 2025 darf das Krankenhaus einen weiteren Titel führen: „Akademisches Lehrkrankenhaus der HMU Health and Medical University Potsdam“.

Wissenswertes

Das Netzwerk Waldfriede ist mittlerweile einer der vielfältigsten Medizin- und Pflegeanbieter im Berliner Südwesten und mit rund 950 Beschäftigten auch einer der größten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, berichtet Bernd Quoß, Vorstand des Krankenhauses und Geschäftsführer aller Nebenbetriebe. Pro Jahr würden etwa 15.000 Patienten stationär und 120.000 ambulant behandelt. Waldfriede verfügt über folgende Fachbereiche: Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Brustzentrum, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Zentrum für Darm- und Beckenbodenchirurgie, Zentrum für Endokrine Chirurgie sowie Radiologie.

Bernd Quoß sieht seine Aufgabe darin, das Krankenhaus „mit Hilfe meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter medizinisch und pflegerisch auf höchstes Niveau zu führen und auch dem Konkurrenzdruck von rund 80 Krankenhäusern in Berlin Stand zu halten. Gleichzeitig möchte ich auch weiterhin unserer christlichen Ethik und der sozialen Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerecht werden. Sehr viele nationale und internationale Auszeichnungen bestätigen unseren eingeschlagenen Weg. Trotz aller Herausforderungen pflegen und versorgen wir unsere Patienten nach unserem christlichen Grundsatz ,Unser Dienst am Menschen ist Dienst an Gott‘.“

Das Krankenhaus Waldfriede ist unter anderem Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, im Deutschen Evangelischen Krankenhausverband e.V. (DEKV) und Kooperationspartner des adventistischen Krankenhausverbundes Advent Health in den USA. Weitere Informationen: www.krankenhaus-waldfriede.de

„Die Schwestern vom Waldfriede“

2023 erschien der vierte und letzte Band der Romanreihe „Die Schwestern vom Waldfriede“ von Bestseller-Autorin Corina Bomann. Die Buchreihe basiert größtenteils auf wahren Gegebenheiten aus dem Krankenhaus Waldfriede Alle vier Bände haben sich auf der Spiegel-Bestsellerliste platziert (siehe APD-Meldung vom 4. August 2023). Mit ihren setzt die Schriftstellerin dem Krankenhaus Waldfriede ein besonderes Denkmal. Die Idee zu dieser Serie kam ihr bei einem Aufenthalt dort, bei dem sie historische Dokumente und Fotos entdeckte. Dies weckte ihr Interesse an der Geschichte des Krankenhauses und sie kontaktierte die Krankenhausleitung, die ihr daraufhin die Chronik der Krankenschwester Hanna Rinder zukommen ließ. In ihrer Chronik beschrieb Hanna Rinder manche Abenteuer der Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Sie berichtete von Hochzeiten und Todesfällen, von Freude, Nöten und Leid. Diese Chronik inspirierte Corinna Bomann für ihre Romanserie, in der die Geburtsstunde und die weitere Geschichte des Krankenhauses Waldfriede erzählt wird.

Die vier Bände aus dem Penguin Verlag im Einzelnen sind:

1. „Sternstunde – Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60205-7)

2. „Leuchtfeuer – Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60226-2)

3. „Sturmtage – Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60234-7)

4. „Wunderzeit – Die Schwestern vom Waldfriede“ (ISBN 978-3-328-60235-4)

Die Autorin Corina Bomann lebt in Berlin-Zehlendorf – in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus Waldfriede.

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Der Adventistische Pressedienst (APD) Deutschland wurde 1984 gegründet und informiert über Aktivitäten sowohl aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als auch aus der christlichen Welt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Themen wie soziales Engagement, Bildung, Gesundheit, Religionsfreiheit und Spiritualität. Der APD hat seinen Sitz in Darmstadt.

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