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Dr. John Ahn bei TEDx: Wie Nanoplastik weltweit zum Gesundheitsrisiko wird

Forscher Dr. John Ahn nutzt die TEDx-Bühne für eine klare Botschaft: Billionen unsichtbarer Plastikpartikel zirkulieren in unseren Körpern und verlangen nach völlig neuen Lösungsansätzen.

BildST. LOUIS, USA – 30. Mai 2026 – Dr. John Ahn, PhD, MBA, leitender Wissenschaftler und Vorsitzender des ALLATRA Global Research Center, hielt im Rahmen der TEDxStLouis-Konferenz seinen Vortrag „Zu klein, um gesehen zu werden, zu gefährlich, um ignoriert zu werden: Mikro- und Nanoplastik“. Vor einem vielfältigen Publikum im Missouri History Museum präsentierte Dr. Ahn in Zusammenarbeit mit anderen namhaften Rednern Ideen zur Bewältigung einiger der drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen. Sein Vortrag bot eine kritische Analyse der wachsenden gesundheitlichen und ökologischen Bedenken im Zusammenhang mit Mikro- und Nanoplastik und beleuchtete gleichzeitig neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie mögliche Richtungen für zukünftige Forschung und Politik.

Im Vorfeld der Veranstaltung war Dr. Ahn in der Sendung „StudioSTL“ von FOX 2 zu Gast, um seinen TEDxStLouis-Vortrag vorzustellen und die Bedeutung der Mikro- und Nanoplastikforschung zu erläutern. Der Beitrag machte das Thema einem breiteren lokalen Publikum bekannt und ordnete seinen bevorstehenden TEDx-Vortrag in eine umfassendere Debatte über Wissenschaft, öffentliche Gesundheit und Umweltverantwortung ein.

Dr. Ahn bezeichnete Mikro- und Nanoplastik als eine allgegenwärtige Form der „unsichtbaren Umweltverschmutzung“, die nicht einfach verschwindet, sobald sie in die Umwelt gelangt. Er erklärte, dass alltägliche Kunststoffprodukte – darunter Flaschen, Reifen, Kleidung und Verpackungen – sich allmählich in immer kleinere Partikel zersetzen, wobei ein einziges Gramm Kunststoff in Billionen von Partikeln zerfallen kann. Einmal in der Umwelt verteilt, können diese Partikel dort verbleiben, durch Luft und Wasser zirkulieren und sich in Ökosystemen und Lebewesen anreichern.

Er untersuchte aktuelle Forschungsergebnisse zu Mikro- und Nanoplastik und deren potenziellen Auswirkungen auf verschiedene biologische Systeme und betonte, dass sich das wissenschaftliche Verständnis zwar stetig weiterentwickelt, die Besorgnis jedoch wächst. Dr. Ahn erörterte neue Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Mikro- und Nanoplastik zu einer Reihe von Gesundheitsproblemen beitragen kann, darunter neurodegenerative Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Probleme der reproduktiven Gesundheit und umfassendere Störungen der Zellfunktion.

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Rolle der elektrostatischen Ladung bei der Beeinflussung des Verhaltens von Mikro- und Nanoplastik in biologischen und Umweltsystemen. Dr. Ahn beschrieb, wie geladene Partikel mit biologischen Barrieren, Biomolekülen und Zellbestandteilen interagieren und so möglicherweise zu deren Persistenz und Anreicherung im Körper beitragen können.

„Die Wissenschaft steckt noch in den Kinderschuhen, aber eine physikalische Eigenschaft sticht hervor: die elektrostatische Ladung. Sie könnte die entscheidende Eigenschaft sein, die ihr Verhalten erklärt“, sagte er.
Eine zentrale Botschaft des Vortrags war, dass traditionelle Lösungsansätze – wie die Reduzierung des Plastikverbrauchs, die Steigerung des Recyclings und die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen – zwar weiterhin wichtig sind, aber der Realität, dass Mikro- und Nanoplastik bereits tief in biologischen und ökologischen Systemen verankert sind, möglicherweise nicht vollständig gerecht werden.

Dr. Ahn räumte ein, dass die physikalische Entfernung von Billionen Partikel aus Luft, Ozeanen und dem menschlichen Körper derzeit unrealistisch ist. Er schlug vor, dass die Bewältigung des Problems mit Mikro- und Nanoplastik möglicherweise einen anderen Lösungsansatz erfordert.

„Vielleicht stellen wir die falsche Frage“, sagte er. „Vielleicht geht es nicht darum, wie man diese winzigen Plastikpartikel entfernt, sondern darum, wie man sie weniger schädlich macht.“

Abschließend wies er auf die zunehmende Dynamik hin, Mikro- und Nanoplastik besser zu verstehen und zu bekämpfen. Diesem Trend entsprechend erkannten die Vereinigten Staaten im April 2026 Mikro- und Nanoplastik offiziell als Problem der öffentlichen Gesundheit an. Dies geschah durch eine gemeinsame Erklärung des US-Gesundheitsministeriums und der US-Umweltschutzbehörde. Die Behörden starteten STOMP (Systematic Targeting of MicroPlastics), ein fünfjähriges, mit 144 Millionen US-Dollar vom ARPA-H-Programm finanziertes Projekt, um die biologischen Auswirkungen von Mikroplastik besser zu verstehen und mögliche Lösungen zu entwickeln. Diese Initiative auf Bundesebene spiegelt die wachsende Erkenntnis der potenziellen Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt wider.

Weitere Hauptredner

Erica Barnell, MD, PhD, Mitbegründerin und Chief Medical and Science Officer von Geneoscopy, sprach über die Früherkennung von Krebs. In ihrem Vortrag „Vier Worte zwischen Ihnen und Krebs“ erläuterte sie, wie ein offenerer Umgang mit schwierigen Gesundheitsgesprächen zu lebensrettender Früherkennung und Prävention führen kann.

Alison Huckenpahler, MD, PhD, Psychiaterin und Neurowissenschaftlerin, präsentierte „Neuartige schlafbasierte Behandlungsmethoden für psychiatrische Probleme“ und hob hervor, wie gezielte Veränderungen des Zeitpunkts, der Tiefe und der Stabilität des Schlafs zur Behandlung von Depressionen beitragen können.
Stephen Hupp, PhD, Geschäftsführer des Committee for Skeptical Inquiry und Herausgeber von Skeptical Inquirer, präsentierte „Das Erforschen seltsamer Mysterien kann Ihr Denken schärfen“ und demonstrierte, wie die Untersuchung ungewöhnlicher Behauptungen durch eine strenge, skeptische Linse die Fähigkeiten zum kritischen Denken stärken kann.

Pierre Paul, Doktorand im Bereich Disability Studies und Gründer und CEO von We Hear You, präsentierte „Inklusives Design für Barrierefreiheit“ und argumentierte, dass effektive Lösungen für Menschen mit Behinderungen die Zusammenarbeit zwischen Designern und Menschen mit eigener Erfahrung erfordern – und dass besseres Design allen zugutekommt.

Der Abend bot außerdem Live-Auftritte von Kristen Harris (KMoney), einer preisgekrönten Spoken-Word-Künstlerin, und Collective Motion, einem Ensemble für Choreografie und Geschichtenerzählen.

Über TED und TEDxStLouis

TED ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Verbreitung wertvoller Ideen verschrieben hat. Seit ihren Anfängen als Konferenz in Kalifornien hat sich TED durch verschiedene globale Initiativen weiterentwickelt, darunter TEDx, das unabhängige Veranstaltungen im TED-Stil weltweit unterstützt.
TEDxStLouis ist ein unabhängiges Programm lokaler Veranstaltungen, die auf Ideen basieren, die es wert sind, verbreitet zu werden. TEDx-Veranstaltungen umfassen TED Talks und Vorträge und dienen dazu, Diskussionen anzuregen, neue Ideen zu inspirieren und Verbindungen innerhalb von Gemeinschaften zu knüpfen.

Über das ALLATRA Global Research Center

Das ALLATRA Global Research Center bringt Wissenschaftler, Forschende und Fachkräfte aus zahlreichen Ländern zusammen, um zentrale globale Herausforderungen systematisch zu analysieren. Im Fokus stehen dabei unter anderem Naturkatastrophen, geodynamische Prozesse, Mikro- und Nanoplastik sowie Fragestellungen im Bereich der Menschenrechte.

Das Zentrum erstellt und veröffentlicht wissenschaftlich fundierte Analysen sowie evidenzbasierte Empfehlungen, die sich an die wissenschaftliche Fachgemeinschaft, staatliche Institutionen, Medienvertreter sowie die breite Öffentlichkeit richten.

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

ALLATRA e. V.
Anna Wagner
Schlehenweg 11
74847 Obrigheim
Deutschland

fon ..: +491746358307
web ..: http://www.allatra-ev.de
email : pr@allatra-ev.de

Allatra e.V. ist ein eingetragener Verein. Wir vertreten die internationale Gesellschaftliche Bewegung ALLATRA in Deutschland, stehen außerhalb von Politik und Religion und sind getragen von ehrenamtlichem Engagement. Mit klarem Fokus auf die eskalierende Klimakrise informieren wir über die klimatische Situation und setzen uns ein für den Schutz von Menschenrechten und das menschliche Leben.

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ALLATRA bei OSZE in Wien: Von Stigmatisierung zu Razzien und Folter

Eine Geophysikerin berichtet von Razzien gegen ehemalige ALLATRA-Freiwillige, ein Theater erhält Bombendrohungen: Sieben Fachleute diskutieren, wo Präventionsmaßnahmen ansetzen müssten.

BildBei der dritten Zusätzlichen Sitzung zur menschlichen Dimension der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die am 29. und 30. Juni 2026 in Wien unter dem Titel „Folter und Misshandlung verhindern: Zusammenarbeit und Umsetzung stärken“ stattfand, richtete das Globale Forschungszentrum ALLATRA den Blick auf eine frühere Phase der Eskalation: auf koordinierte Stigmatisierung, entmenschlichende Etiketten und institutionellen Druck.

ALLATRA berief eine Nebenveranstaltung mit dem Titel „Von der Stigmatisierung zur Misshandlung: Lehren aus Russland und darüber hinaus, Frühwarnzeichen, Menschenwürde und Prävention von Missbrauch“ ein. Sieben Rednerinnen und Redner behandelten Fälle mit Bezug zu Russland, der Ukraine, China, Belgien und dem grenzüberschreitenden Informationsraum.

Der Rahmen der Diskussion: Wann wird gesellschaftliche Stigmatisierung zu einem systemischen Menschenrechtsrisiko?

Die Moderation übernahm Vladimir Ivanov, Rechtsanwalt, Rechtsforscher und Vertreter des Globalen Forschungszentrums ALLATRA in Bulgarien, nach eigenen Angaben früher als Schiedsrichter tätig und mit Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte befasst.

Er formulierte die Leitfrage der Veranstaltung: An welchem Punkt genau verwandelt sich gesellschaftliche Stigmatisierung in ein systemisches Risiko für die Menschenrechte? Systemische Misshandlung beginne selten mit körperlicher Gewalt, sagte Ivanov: „Sie beginnen mit Worten. Mit institutionellen Etiketten.“

Der Weg von der Rhetorik zur Misshandlung folge einem Muster. Wenn öffentliche Akteure oder staatlich kontrollierte Medien eine Organisation, eine spirituelle Bewegung oder eine Minderheit systematisch als „subversiv“, „gesellschaftsfeindlich“, „Kult“ oder „Sekte“ bezeichneten, sei das Ziel Entmenschlichung. Danach würden die Betroffenen im öffentlichen Bewusstsein nicht mehr als Bürger mit Rechten wahrgenommen, sondern als Bedrohung, die neutralisiert werden müsse.

Verfassungstheorie aus Italien: Warum Diskriminierungsverbote in der Praxis versagen können

Alberto Contu, Forscher, Rechtsphilosoph, Spezialist für Föderalismus, Experte für juristische Hermeneutik und Verhaltensneurobiologie sowie leitender Berater des Instituts für fortgeschrittene Studien und Zusammenarbeit aus Italien, war per Videobotschaft zugeschaltet.

Er unterschied drei Formen von Stigmatisierung: die Zuschreibung angeblicher anthropologischer Defekte aufgrund ethnischer Merkmale, die unzulässige Verallgemeinerung über Stereotype und die Einordnung von Menschen anhand sozio-biologischer Zuschreibungen.

Als Beispiel nannte Contu Sardinien, wo das Etikett „Hirten“ über Jahrhunderte gewirkt habe. Dahinter stehe das Vorurteil, Weidewirtschaft verursache Banditentum und Entführungen. In anderen Regionen Italiens hätten Behörden deshalb verfassungswidrige Maßnahmen ergriffen, etwa die Registrierung zugereister sardischer Hirten als potenzielle kriminelle Gruppe.

Juristen wüssten, dass eine Prinzipienerklärung eine Sache sei und die tatsächliche Verwirklichung von Rechten eine andere. Entscheidend sei die praktische Anwendung durch Polizei, Gerichte und Verwaltung. Notwendig sei eine Abkehr vom „Strafrecht des Verdachts“ und die Durchsetzung einer Kultur des rechtsstaatlichen Verfahrens.

Belgien im Fokus: Bewerber mit arabischen oder afrikanischen Namen erhalten laut UNIA 30 bis 50 Prozent weniger Einladungen

Dr. Aicha Bacha, Politikwissenschaftlerin sowie Gründerin und Präsidentin des Europäischen Zentrums für Entwicklung und geostrategische Forschung und Analyse in Belgien, sprach aus Brüssel.

Sie würdigte zunächst das belgische Rechtsschutzsystem und den föderalen Ausgleich zwischen Sprachgemeinschaften. Anschließend verwies sie auf Daten des Interföderalen Zentrums für Chancengleichheit (UNIA). Bei sogenannten Korrespondenztests, bei denen identische Bewerbungsunterlagen mit unterschiedlichen Namen verschickt werden, hätten Bewerber mit arabischen oder afrikanischen Namen 30 bis 50 Prozent weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten. Unterschieden hätten sich die Unterlagen ausschließlich im Namen.

In Brüssel habe fast ein Viertel der Bevölkerung eine nichteuropäische Herkunft, in Führungspositionen der öffentlichen Verwaltung seien diese Gemeinschaften kaum vertreten.

Bacha schilderte den Fall einer jungen Frau, die sie „Fatima“ nannte: in Brüssel geboren und ausgebildet, vier Sprachen fließend, Jurastudium mit Auszeichnung abgeschlossen, über fünf Jahre ehrenamtlich in der kostenlosen Rechtsberatung tätig. Siebzig Bewerbungen bei belgischen Bundesbehörden blieben erfolglos. „Irgendwann hörst du auf, die Absagen zu lesen. Nicht weil es weniger weh tut, sondern weil in allen dasselbe steht und in keiner jemals der wahre Grund genannt wird“, zitierte Bacha die Frau.

Inklusive Institutionen arbeiteten flexibler und wirksamer, so Bacha. Ihr Beitrag sei keine Anklage, sondern eine Einladung, die Lücke zwischen Versprechen und Praxis zu schließen.

Zeugenaussage aus Russland: Fünfzehn maskierte Bewaffnete brachen die Wohnungstür einer Geophysikerin auf

Die Identität der nächsten Rednerin blieb aus Sicherheitsgründen geheim. Die Frau ist Geologin mit Masterabschluss, arbeitete seit 2012 als Geophysikerin und schloss sich im Februar 2019 den Freiwilligen der Plattform ALLATRA an. Ihre Tätigkeit bestand nach eigener Darstellung aus der Analyse wissenschaftlicher Klimadaten, dem Verfassen von Fachartikeln, der Vorbereitung von Präsentationen und der Organisation wissenschaftlicher Konferenzen.

Eine koordinierte Diskreditierungskampagne habe 2015 begonnen. Sieben Jahre lang seien in Medien regelmäßig verleumderische Materialien erschienen, die die Plattform als „destruktive Sekte“ und „apokalyptischen Kult“ bezeichneten. Das zweite Etikett habe sich auf die offene Diskussion der Klimakrise bezogen.

Am 8. August 2023 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft ALLATRA nach Darstellung der Zeugin zur „unerwünschten Organisation“, ohne belastbare Beweise vorzulegen. Seither habe die Plattform im Land jede Tätigkeit eingestellt. Genau danach hätten die Razzien begonnen.

Am 5. Juni 2024 um 6.30 Uhr drang eine Gruppe von etwa fünfzehn Personen in ihre Wohnung ein. Nachbarn beschrieben Angehörige der Sondereinheit OMON in voller taktischer Ausrüstung, maskiert und mit Sturmgewehren bewaffnet, begleitet von Mitarbeitern der Sicherheitsdienste. Die Zeugin selbst befand sich im Ausland im Urlaub. Die Tür wurde aufgebrochen, ein Gerichtsbeschluss wurde nicht vorgelegt, ein Anwalt nicht abgewartet. Drei Stunden lang durchsuchten die Beamten die leere Wohnung, nahmen Dokumente mit und verteilten Bücher auf dem Boden. Die Zeugin geht davon aus, dass die Organisatoren ihre Abwesenheit kannten und der Einsatz als öffentliches Schauspiel für die Nachbarschaft gedacht war.

Am selben Tag durchsuchten Einsatzkräfte nach ihren Angaben vier weitere Wohnungen ehemaliger Freiwilliger. In einem Fall, den sie schilderte, war eine Pädagogin mit Masterabschluss in Philologie, die sie Elena nannte, mit ihrer Schwester zu Hause. Als die Frauen nicht öffneten, sägten die Beamten das Schloss auf. Beide mussten sich mit dem Gesicht auf den Boden legen. Elenas Schwester wurde nach dieser Darstellung über eine Stunde lang mit auf den Rücken gedrehten Armen unter Waffengewalt festgehalten. Ein Anwalt wurde verweigert, die Telefone sofort beschlagnahmt. Der Einsatz wurde für einen Fernsehbeitrag gefilmt, in dem die Frauen später als Terroristinnen dargestellt worden seien.

Bei den Vernehmungen habe man Elena erklärt: „Ihnen ist es verboten, über das Klima zu sprechen. Dieses Thema ist verboten.“ Später habe sie geschrieben: „Nach allem, was passiert ist, schlafe ich immer noch schlecht.“

Drei der Festgehaltenen kamen am selben Abend frei und verließen das Land. Ein Berufsfotograf, Träger mehrerer nationaler und internationaler Preise und Mitglied des Journalistenverbandes, verbrachte nach Angaben der Zeugin ein Jahr in Haft.

Im August 2024 folgte eine weitere Durchsuchungswelle. Über indirekte Quellen habe sie erfahren, dass Menschen in einer Region gefoltert worden seien: mit Elektroschocks und Plastiktüten über dem Kopf. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen der Betroffenen sei nicht eröffnet worden, weil an dessen Körper deutliche Spuren von Folter sichtbar gewesen seien. Auf Kontaktversuche hin hätten Betroffene geantwortet: „Es ist besser, wenn Sie nicht wissen, was wir durchgemacht haben.“

Im Dezember wurden bei einer weiteren Welle in der Hauptstadt zehn Personen gleichzeitig festgenommen. Im Juni 2025 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft ALLATRA nach Darstellung der Zeugin zur extremistischen Organisation. Damit könne bereits jede Erwähnung der Plattform strafbar sein.

Ihr Anwalt habe ihr gesagt: „Kehre nicht zurück. Du wirst festgenommen und eingesperrt. Auf diesen Paragrafen stehen sechs Jahre.“ Ihr eigenes Resümee: „Ich bin keine Politikerin. Ich bin Geologin und Geophysikerin. Ich habe Klimakonferenzen organisiert und an wissenschaftlichen Artikeln gearbeitet.“

Falun Dafa und Shen Yun: 298 registrierte Drohungen weltweit seit März 2024

Leos Strnad, Vertreter der Falun-Dafa-Vereinigung in Tschechien, behandelte transnationale Repression. Der Begriff beschreibt nach der von ihm zitierten Definition der Staats- und Regierungschefs der G7 vom Juni 2025 eine Form ausländischer Einflussnahme, bei der Staaten oder ihre Vermittler Menschen jenseits der eigenen Grenzen einschüchtern, verfolgen, schädigen oder zwingen.

Innerhalb Chinas sei den Verhaftungen eine breite Propagandakampagne vorausgegangen, die Nachbarn, Kollegen, Polizisten, Richter und Ärzte gegen die Betroffenen aufgebracht habe. Außerhalb Chinas sehe die Methode anders aus, die Logik bleibe ähnlich.

Strnad beschrieb vier kombinierte Druckformen: direkte Einschüchterung durch Bomben- und Schusswaffendrohungen, Desinformation über gefälschte Konten und Identitätsmissbrauch, institutionellen Druck auf Theater, Behörden und Journalisten sowie juristischen und administrativen Druck durch Beschwerden und Klagen. Gefährlich sei die Kombination dieser Methoden. Eine Bombendrohung müsse nicht ausgeführt werden, um einen Theaterleiter einzuschüchtern.

In der Datenbank seiner Organisation seien seit März 2024 weltweit 298 Drohungen gegen Falun Gong oder Shen Yun Performing Arts erfasst. Am 10. Dezember 2025 erhielt das Prager Kongresszentrum ein Schreiben mit der Forderung, einen bevorstehenden Auftritt abzusagen. Im April dieses Jahres gingen dort Bombendrohungen für den Fall ein, dass die Aufführung stattfinde. Körperliche Angriffe habe es in diesem Jahr unter anderem in Jeju (Südkorea), vor dem Britischen Museum in London, in Flushing in New York und in South Carolina gegeben, dort gegen einen 70-jährigen Praktizierenden.

Für demokratische Staaten schlug Strnad vier Prioritäten vor: Muster erkennen, Beweise sichern, betroffene Personen und Institutionen schützen sowie ermitteln und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.

Der gemeinsame Nenner: transnationale Antikult-Netzwerke und die Rolle von RACIRS

Ivanov ordnete die Fälle anschließend ein. Gegen Falun Dafa, Stiftungen der „Föderation für den Weltfrieden“, ALLATRA und andere zivilgesellschaftliche Akteure würden auffallend ähnliche Etiketten verwendet, meist „Sekte“ oder „Kult“, verbunden mit der Darstellung als sozial gefährlich oder manipulativ.

Diese Übereinstimmungen seien nach Einschätzung des Forschungszentrums nicht zufällig, sondern Ausdruck transnationaler Antikult-Netzwerke. Russland habe solche Netzwerke über Jahre gefördert. Genannt wurden Alexander Dworkin und die Russische Vereinigung der Zentren für die Erforschung von Religionen und Sekten (RACIRS). Bereits 2008 habe eine Konferenz die Zusammenarbeit russischer und chinesischer Antikult-Akteure vertieft; danach sei eine neue Verfolgungswelle gegen Falun Dafa gefolgt.

Viele Religionswissenschaftler, Soziologen, Juristen und Menschenrechtsverteidiger hätten zentrale Annahmen und Methoden der Antikult-Bewegung als pseudowissenschaftlich eingestuft, so Ivanov.

Völkerrechtliche Einordnung: Wenn Rechtsschutz formal besteht, praktisch aber unerreichbar wird

Mariia Anapreichyk, Rechtsforscherin für internationales und europäisches Recht beim Globalen Forschungszentrum ALLATRA in der Schweiz, vertiefte die Phase vor dem institutionellen Druck.

Etiketten wie „Sekte“ oder „Kult“ wirkten als Abkürzung zur Stigmatisierung, weil sie Irrationalität, Gefahr und Unvereinbarkeit mit der „normalen“ Gesellschaft unterstellten. Der Kreis der Ziele erweitere sich dabei laufend, bis hin zu politischen Parteien und ganzen Bevölkerungsgruppen. Sie verwies auf eine russische Kampagne, die die Ukraine als Ganzes als „Hypersekte“ dargestellt habe; ein weiterer RACIRS-Vertreter, Erzpriester Alexander Nowopaschin, habe ukrainische Bürger öffentlich als Kannibalen bezeichnet.

Anapreichyk verwies auf den Leitfaden des OSZE-Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (BDIMR) zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern, der einen eigenen Abschnitt zur Bekämpfung von Stigmatisierung und Marginalisierung enthält. Zehn Jahre später habe der Bericht der UN-Sonderberichterstatterin für Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Gina Romero, aus dem Jahr 2024 gezeigt, dass das Problem fortbestehe.

Ein zentraler Punkt sei der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln. Formal könnten stigmatisierte Organisationen ihren Ruf verteidigen. Wenn dies jedoch Prozesse in mehreren Staaten und Anwälte in mehreren Ländern erfordere, werde der Rechtsschutz illusorisch.

Rechtsforschung aus Lettland: Der Vorschlag, „Informationsterrorismus“ als eigenen Straftatbestand zu prüfen

Jevgenija Malecka, Juristin, frühere Mitarbeiterin der Strafverfolgungsbehörden, praktizierende Menschenrechtsverteidigerin und Rechtsforscherin aus Lettland, stellte ihr Forschungskonzept vor.

Jeder physischen Eskalation gehe nach ihrer Analyse eine Phase voraus, die sie als „vorkinetische Phase“ bezeichnet, also als Zeitraum vor dem Einsatz körperlicher Gewalt. Der Unterschied zum klassischen Terrorismus liege im Mittel: Dort sei es physische Gewalt, hier die Information selbst. Informationsterrorismus nutze einen „delegierten Schaden“, bei dem der Organisator die Umgebung schaffe und andere den Schaden zufügten.

Malecka gliederte das Phänomen nach den klassischen Merkmalen eines Straftatbestands: Schutzgut sei die psychologische Sicherheit und kognitive Widerstandsfähigkeit; die objektive Seite bestehe in systematischen, koordinierten Kampagnen mit Entmenschlichung und Feindbildproduktion; als Täter kämen Einzelpersonen wie auch Netzwerke mit Algorithmen, Bots und Medienkanälen in Betracht; die subjektive Seite erfordere direkten Vorsatz.

Das Warnsignal formulierte sie so: _“Wenn das Etikett den Beweis ersetzt und der Ruf die Fakten.“_

Ihr Appell richtete sich an die wissenschaftliche und juristische Gemeinschaft, den Bereich interdisziplinär zu untersuchen und die Aufnahme eines eigenständigen Tatbestands in nationale und internationale Strafgesetzbücher zu prüfen. Bleibe das Problem unbeachtet, könnten systematische Entmenschlichungskampagnen nach ihrer Einschätzung in Misshandlung, Folter, Massengewalt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und in den extremsten Fällen in Völkermord übergehen. Eine Anerkennung als Straftatbestand sei keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern eine rechtliche Garantie.

Offene Fragen der Veranstaltung

Die Teilnehmer betonten, dass Folter und Misshandlung selten isoliert entstünden. Lange bevor körperliche Gewalt sichtbar werde, könnten Menschen und Gemeinschaften durch systematische öffentliche Diskreditierung ihrer Würde, ihrer Legitimität und ihres gleichen gesellschaftlichen Schutzes beraubt werden.

Offen blieben die Fragen, die Anapreichyk zum Abschluss formulierte: Ab welcher Stufe müssten präventive Maßnahmen einsetzen, und wo verlaufe die Grenze zwischen der von der Meinungsfreiheit geschützten Kritik und Handlungen, die zu Entmenschlichung, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung führen?

Fazit

Damit führte die Veranstaltung zurück zu ihrem Ausgangspunkt: Wer Folter und Misshandlung wirksam verhindern will, muss nicht erst auf sichtbare Gewalt reagieren. Prävention beginnt dort, wo Stigmatisierung, Entmenschlichung und institutioneller Druck die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen ihre Würde und ihren Schutz als gleichberechtigte Rechtsträger verlieren.

Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

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Forschung trotz Widerstand: ALLATRA wirkt bei EU, OSZE und UN-Konferenzen mit

Russland verbietet ALLATRA. Ukrainisches Berufungsgericht bestätigt die Rechtmäßigkeit ihrer Tätigkeit. Was EU-Prüfer feststellten und welche Nanoplastik-Risiken ein aktueller Bericht analysiert.

BildALLATRA ist nach eigenen Angaben eine internationale gemeinnützige Organisation für Aufklärung, Forschung und Bildung zu Klima- und geodynamischen Risiken, zu Mikro- und Nanoplastik sowie zum Schutz grundlegender Menschenrechte. Geodynamische Risiken sind Gefahren durch Bewegungen im Erdinneren und an der Erdoberfläche, etwa Erdbeben oder Vulkanausbrüche. In mehr als 180 Ländern sei die Organisation präsent. Seit 2017 liege der weltweite Hauptsitz im US-Bundesstaat Georgia. Sie bezeichnet sich als nicht politisch und nicht religiös, arbeite ehrenamtlich und kenne keine formale Mitgliedschaft. Finanziert werde die Arbeit durch freiwillige Spenden.

Was die Selbstdarstellung von ALLATRA brisant macht, ist weniger die Themenliste als die gegenläufige Behandlung durch Behörden. Russland ist laut der Organisation das einzige Land, das sie verboten hat. In der Ukraine bestätigte ein Berufungsgericht die Rechtmäßigkeit ihrer Tätigkeit. Im Europäischen Parlament kamen die Quästoren zu dem Ergebnis, dass Vorwürfe über prorussische Narrative und Desinformationsnetzwerke nicht schlüssig belegt seien. Der folgende Text stützt sich auf die offizielle Darstellung der Organisation auf allatra.org.

Von „unerwünscht“ zu „extremistisch“: Die russische Eskalation seit 2015

Als Kern der Gründe für das Verbot in Russland nennt ALLATRA die eigene Unabhängigkeit und die Fähigkeit, öffentliches Vertrauen aufzubauen. Seit der Gründung sei die Organisation auch in Russland präsent gewesen. Forschung der geodynamischen Veränderungen auf unserem Planeten, Kommunikation mit verschiedenen Organisationen, Wissenschaftlern und öffentliche Diskussionen über Klima, Ökologie, öffentliche Sicherheit und die Zukunft der Gesellschaft hätten in Russland ein breites Publikum gefunden. Mit der Zeit sei ein unabhängiges zivilgesellschaftliches Netzwerk mit eigenen Internet-TV-Kanälen, Podcasts, Kanälen in sozialen Netzwerken und internationalen Verbindungen entstanden. ALLATRA gewann immer mehr an Popularität unter den Menschen in Russland. (Anmerkung unserer Redaktion: Dies gefiel dem russischen Staat wohl nicht, denn es entzog sich langsam seiner Kontrolle.)

Ab 2015 begannen russische Behörden nach Darstellung der Organisation über staatlich kontrollierte Gutachtergremien und staatsnahe Medien eine anhaltende Kampagne, die ALLATRA als „extremistische“ Organisation darstellte. Ziel sei es gewesen, sie an den Rand zu drängen und Vertrauen im Inland wie international zu untergraben. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit hielt in ihrem Bericht von 2020 fest, dass russische Behörden solche Rhetorik als Repressionsinstrument einsetzen, um gerichtliche Verfolgung zu rechtfertigen und unabhängige Organisationen zu beseitigen.

Im August 2023 stufte die Generalstaatsanwaltschaft Russlands ALLATRA als „unerwünscht“ ein. Im Jahr 2024 sperrten russische Behörden die Videoplattform Rumble vollständig. Der Vorstandsvorsitzende von Rumble erklärte, die Sperre gehe auf die Weigerung zurück, den Kanal ALLATRA TV zu entfernen, und betonte gleichzeitig, dass die Inhalte des Senders den Richtlinien von Rumble entsprächen.

Am 24. Juni 2025 erklärte das Oberste Gericht Russlands ALLATRA landesweit zu einer „extremistischen“ Organisation und verbot ihre Tätigkeit.

Zeugen berichten von Razzien, Waffengewalt und Folter in Ufa

Nach Angaben der ALLATRA Organisation führten russische Behörden Hausdurchsuchungen, erzwungene Vernehmungen, Razzien und Folterhandlungen gegen ehemalige Teilnehmer durch. Eine Zeugin, die bei einer Nebenveranstaltung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa online aussagte, schilderte gewaltsames Vorgehen bei Hausdurchsuchungen. Eine junge Teilnehmerin habe eine Stunde lang auf dem Boden liegen müssen, während eine Waffe auf sie gerichtet war. Behördenmitarbeiter hätten Teilnehmern ausdrücklich gesagt: „Ihr dürft nicht über das Klima sprechen. Dieses Thema ist verboten.

Eine weitere Zeugenaussage, die ALLATRA wiedergibt, beschreibt Vorgänge in der Stadt Ufa (Russland) im August 2024, also noch vor dem landesweiten Verbot im Juni 2025:

_“Im September 2024 erfuhr ich neue, wirklich entsetzliche Einzelheiten. Es stellte sich heraus, dass im August dieselbe Welle von Razzien gegen ALLATRA-Freiwillige die Stadt Ufa getroffen hatte. Bei Vernehmungen folterten Beamte des FSB einige von ihnen mit Elektroschocks und über den Kopf gezogenen Plastiktüten.“_

Nach Informationen, die die ALLATRA von gegenwärtigen und ehemaligen Teilnehmern erhalten hat, wurden in Russland verbliebene ehemalige Teilnehmer mit Strafanzeigen, Gerichtsverfahren, erzwungenen Vernehmungen, Folter und fortdauernder Verfolgung konfrontiert. Viele hätten zur eigenen Sicherheit das Land verlassen und Wohnung, Arbeit, Unternehmen und Eigentum zurückgelassen. In bestimmten Fällen sind Menschen zu Zwangsarbeit verurteilt, inhaftiert oder in Straflager gebracht worden. Russland bleibe das einzige Land, in dem ALLATRA verboten wurde. Außerhalb Russlands setze ALLATRA die Arbeit fort, unter anderem über das ALLATRA Global Research Center in den Vereinigten Staaten.

Das Verwaltungsberufungsgericht in Kiew lehnte den Antrag auf ein Verbot ab

In der Ukraine wurden Vorwürfe gegen ALLATRA staatlichen Stellen vorgelegt und gerichtlich geprüft. Die Herkunft der Vorwürfe werde weiter untersucht. Wie das Medium EU Reporter anmerkte, kommt als eine mögliche Erklärung die Tätigkeit prorussischer Einflussnetzwerke innerhalb ukrainischer Institutionen in Betracht.

Am 25. Februar 2026 bestätigte das Sechste Verwaltungsberufungsgericht in Kiew die Entscheidung der Vorinstanz und die Rechtmäßigkeit der Tätigkeit von ALLATRA in der Ukraine. Das Gericht sah keine rechtlichen Gründe für ein Verbot oder eine Zwangsauflösung. Vorgelegte Gutachtenmaterialien wies es als unzulässig zurück. Sie enthielten demnach keine konkreten, objektiven oder überzeugenden Belege für rechtswidrige Tätigkeit. Das Gericht verwies zudem auf Belege für den patriotischen Charakter der Arbeit von ALLATRA in der Ukraine. Die Organisation bleibt damit nach dieser Darstellung eine rechtmäßig tätige öffentliche Vereinigung und ist von ukrainischen Gerichten weder verboten noch untersagt worden.

Bereits am 2. Februar 2026 erkannte die Nationale Polizei der Ukraine ALLATRA als geschädigte juristische Person in einem Strafverfahren wegen Behinderung der rechtmäßigen Tätigkeit einer Nichtregierungsorganisation nach Artikel 170 des Strafgesetzbuchs der Ukraine an. Dieser Status bestätigt, dass ALLATRA in diesem Verfahren als eine Organisation behandelt wird, deren Rechte und berechtigte Interessen verletzt wurden.

ALLATRA unterstützt nach eigenen Angaben die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine innerhalb international anerkannter Grenzen und verurteilt die bewaffnete Aggression Russlands, einschließlich Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Völkerrecht. Ein öffentliches Beispiel ist die Konferenz „Freedom Has a Name and It’s Called Ukraine“ am 5. Februar 2026 im US-Kapitol in Washington, D.C.

Quästoren des Europäischen Parlaments: keine schlüssigen Belege

ALLATRA und das ALLATRA Global Research Center beteiligen sich nach eigenen Angaben an europäischen Foren, darunter das Europäische Parlament und OSZE-Plattformen zur menschlichen Dimension. Das Forschungszentrum ist im Transparenzregister der Europäischen Union unter der Nummer REG 1148853102055-15 eingetragen.

Im Februar 2026 nahm ALLATRA Global Research Center an der Veranstaltung „Nanoplastics: Hidden Connections And Emerging Risks“ im Europäischen Parlament teil, organisiert von einem Mitglied des Parlaments in Zusammenarbeit mit dem Research Center. Im Anschluss an die Veranstaltung reichten drei Mitglieder des Europäischen Parlaments aus Fraktionen, die der Fraktion des organisierenden Abgeordneten politisch entgegenstehen, eine Beschwerde ein. Darin wurde behauptet, das ALLATRA Global Research Center habe prorussische Narrative verbreitet und Verbindungen zu russischen Desinformationsnetzwerken unterhalten.

Am 29. April 2026 kamen die Quästoren des Europäischen Parlaments nach Prüfung der von den Parlamentsdiensten zusammengetragenen Informationen zu dem Ergebnis, es gebe keine „schlüssigen und eindeutigen Elemente“ zur Stützung dieser Vorwürfe und keine ausreichende Grundlage für die Eröffnung einer Untersuchung. Die Prüfung ergab demnach keine belegte Verbindung zwischen dem ALLATRA Global Research Center und prorussischen Erzählungen, russischen Desinformationsnetzwerken oder feindlichen Einflussaktivitäten.

Entgegen Behauptungen, die einzelne Medien prorussischer Netzwerke veröffentlicht haben und die nicht durch Beweise oder offizielle Dokumente gestützt sind, wird gegen ALLATRA von keiner Institution der Europäischen Union ermittelt.

Desinformation nach dem ALLATRA-Verbot in Russland und die Bitte um Quellenprüfung

Auch nach dem Verbot in Russland veröffentlichen staatsnahe russische Medien laut ALLATRA weiterhin Material, das die Organisation als „pseudowissenschaftlich“ darstellt. Zweck sei es, Vertrauen in Klimaforschung und wissenschaftliche Arbeit zu untergraben, gerade weil internationale Aufmerksamkeit zunehme. Vorwürfe russischen Ursprungs hätten den Weg in europäische und internationale Medien gefunden. Zugleich seien Vorwürfe, die ukrainische Gerichte und die Quästoren des Europäischen Parlaments als nicht belegt bewertet hätten, in internationalen Publikationen wiederholt worden. So entstehe der falsche Eindruck unabhängiger Bestätigung.

Ein erheblicher Teil der negativen Online-Inhalte über ALLATRA lasse sich auf russische Quellen zurückführen, schreibt die Organisation. Sie fordert Journalisten, Forschende und Verlage auf, die Herkunft verwendeter Informationen zu überprüfen.

Nanoplastik-Bericht, COP-Konferenzen und öffentliche Wissenschaftskommunikation

Das ALLATRA Global Research Center ist die fachübergreifende Forschungs- und Wissenschaftskommunikationsabteilung der ALLATRA Organisation. Es veröffentlichte den analytischen Bericht „Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment“, auf Deutsch: „Nanoplastik. Eine systematische Risikoanalyse für die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und die Umwelt“. Der Bericht steht unter der Lizenz CC BY 4.0 und trägt die DOI https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001. Er richte sich an Wissenschaft, Regulierungsbehörden, politische Institutionen und die Öffentlichkeit.

Die Ergebnisse wurden im Europäischen Parlament auf der Konferenz „Micro- and Nanoplastics in the Biosphere: Impact on Human Health and Planetary Climate“ vorgestellt. Dort gingen Wissenschaftler und EU-Entscheidungsträger möglichen Gesundheitsrisiken und Umweltauswirkungen von Mikro- und Nanoplastik nach. Der Dokumentarfilm „Nanoplastics: Threat to Life“, der von ALLATRA Global Research Center produziert wurde, lief unter anderem in den Vereinigten Staaten, in Deutschland und in Lateinamerika und wurde bei mehreren internationalen Filmfestivals ausgezeichnet.

ALLATRA nahm an der COP29 in Baku, der COP30 in Belém sowie an den COP16-Konferenzen in Kolumbien und Saudi-Arabien teil. COP-Konferenzen sind UN-Vertragsstaatenkonferenzen zu Klima, Biodiversität oder Wüste. Dort legten sie nach eigenen Angaben fachliche Klimaeinschätzungen vor und führten Gespräche mit Regierungsvertretern und internationalen Amtsträgern. Weitere Stationen der öffentlichen Arbeit umfassen unter anderem OSZE-Formate in Wien und Warschau, ein Kongress-Briefing zum Thema kognitive Kriegsführung am 30. September 2025 in Washington, D.C., einen TEDx-Vortrag des Chefwissenschaftlers Doktor John Ahn am 30. Mai 2026 in St. Louis sowie Kooperationen in Bolivien mit dem Vizeministerium für Zivilschutz, der Bolivianischen Katholischen Universität „San Pablo“ und dem Observatorium San Calixto.

Papst Franziskus erteilte ALLATRA im Dezember 2024 einen Apostolischen Segen für die Arbeit zu Umweltschutz und Bewahrung der Schöpfung. Papst Leo XIV. erteilte im Juli 2025 einen Apostolischen Segen an die Präsidentin Maryna Ovtsynova und an Freiwillige der Organisation.

Klimaposition und Grenze zwischen offizieller und persönlicher Aussage

ALLATRA erkennt nach eigenen Angaben den wissenschaftlichen Konsens zum vom Menschen verursachten Klimawandel an, einschließlich der Rolle von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bei der gegenwärtigen globalen Erwärmung, wie er in zentralen Feststellungen des Weltklimarats IPCC dargestellt wird. Zusätzlich untersuche die Forschung der Organisation weitere Risikofelder, darunter Mikroplastik, Nanoplastik, geodynamische Prozesse, Gesundheit, Ökosysteme und Widerstandsfähigkeit der Umwelt.

Offizielle Positionen kommuniziere ALLATRA ausschließlich über allatra.org. Aussagen von Rednern, Gästen, Experten, Partnern oder Teilnehmern bei Veranstaltungen gäben deren persönliche Ansichten wieder und seien keine offizielle Position, sofern ALLATRA sie nicht bestätigt. Auch die Mitveranstaltung einer Tagung bedeute nicht die Unterstützung jeder dort geäußerten Meinung.

Damit zeichnet die Organisation das Bild einer ehrenamtlich getragenen Forschungs- und Aufklärungsinitiative. ALLATRA bezeichnet sich als nicht politische und nicht religiöse Organisation. Sie arbeitet auf freiwilliger Basis und kennt keine formale Mitgliedschaft. Das bedeutet, dass niemand offiziell Mitglied werden kann, sondern Menschen sich an einzelnen Projekten beteiligen können, solange sie es selbst möchten. Finanziert wird die Arbeit nach eigenen Angaben durch freiwillige Spenden aus der Öffentlichkeit und in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen und Vorschriften.

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Wie Nanoplastik das elektrische Gleichgewicht von Zellen stören kann

Forschungsbericht bündelt experimentelle Befunde: Nanoplastik kann in Zellen eindringen und dort Ionenkanäle, Mitochondrien sowie Proteinstrukturen beeinflussen.

BildJede Zelle im menschlichen Körper arbeitet elektrisch. Ionenkanäle, Membranpotenziale und Signalströme halten Nerven, Herz und Muskeln funktionsfähig. Laut dem 2026 veröffentlichten Bericht „Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment“ des ALLATRA Global Research Center könnten Nanoplastikpartikel dieses elektrische Gleichgewicht stören. Aufgrund ihrer geringen Grösse, ihrer hohen spezifischen Oberfläche und ihrer elektrostatischen Ladung können sie unter bestimmten Bedingungen in Zellen gelangen und dort Ionenkanäle, Mitochondrien und die räumliche Struktur von Proteinen beeinflussen.

Wie stark Nanoplastik auf Zellen einwirkt, ist nicht immer gleich. Entscheidend sind die Grösse und elektrische Ladung der Partikel, ihre Menge, die untersuchten Zellen und die Bedingungen der jeweiligen Untersuchung. Sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter Doktor John Ahn, Doktor Karolína Hronová und Doktor Anastasiya Pashigreva, haben die Forschungsliteratur zu diesen zellulären Mechanismen systematisch ausgewertet.

Warum Nanoplastik die elektrischen Prozesse in menschlichen Zellen stören könnte

Der menschliche Körper kann laut dem Bericht als kohärentes biologisches System betrachtet werden, in dem elektrische Prozesse eine Schlüsselrolle bei der Koordination von Zellen, Geweben und Organen spielen. Jede Zelle hält ein Membranpotenzial aufrecht, also eine elektrische Ladungsdifferenz zwischen der Innen- und der Aussenseite der Zellmembran. Diese entsteht durch die ungleiche Verteilung von Ionen wie Natrium, Kalium, Kalzium und Chlorid sowie durch die selektive Durchlässigkeit der Membran.

Ionenkanäle und Ionenpumpen transportieren ständig geladene Teilchen über die Membran und erhalten so die elektrochemischen Gradienten, die für die Stabilität des Membranpotenzials sorgen. Mithilfe dieser Mechanismen sind erregbare Zellen wie Neurone, Herzmuskelzellen und Skelettmuskelzellen in der Lage, Aktionspotenziale zu erzeugen und weiterzuleiten. Auf diesen elektrischen Impulsen beruhen die Signalübertragung im Nervensystem, die elektrische Aktivität des Herzens und die Muskelkontraktion.

Laut dem Bericht treten zunehmend Faktoren auf, die das elektrische Gleichgewicht von Zellen stören können. Aufgrund ihrer geringen Grösse, ihrer hohen spezifischen Oberfläche und ihrer Fähigkeit, eine Oberflächenladung zu tragen, werden Nanoplastikpartikel als potenziell aktive physikochemische Agenten betrachtet, die mit Zellmembranen interagieren können. Solche Wechselwirkungen könnten das Membranpotenzial, die Ionenflüsse und damit verbundene Stoffwechselprozesse einschliesslich der mitochondrialen Funktion und des zellulären Energiestoffwechsels beeinflussen.

Wie Nanoplastik in Zellen eindringt und warum die Oberflächenladung dabei entscheidend ist

Die Aufnahme von Mikro- und Nanoplastikpartikeln in Zellen hängt laut dem Bericht von Grösse, Form und Oberflächeneigenschaften der Partikel ab. Für die meisten Nanopartikel ist die Endozytose der primäre Mechanismus des Eintritts in die Zelle. Endozytose ist ein aktiver Aufnahmeprozess, bei dem sich intrazelluläre Vesikel bilden. Vesikel sind kleine, membranumhüllte Bläschen in der Zelle, die Stoffe transportieren, speichern oder weitergeben. Wie Partikel in eine Zelle gelangen, hängt von ihrer Grösse und vom Zelltyp ab. Sehr kleine Partikel von etwa 60 bis 200 Nanometern werden meist mithilfe des Eiweisses Clathrin aufgenommen. Etwas grössere Partikel bis knapp unter einem Mikrometer können mithilfe des Eiweisses Caveolin in die Zelle gelangen. Beide Eiweisse helfen der Zellhülle dabei, sich einzustülpen, den Partikel zu umschliessen und ins Zellinnere zu transportieren. Partikel ab etwa 150 Nanometern können zudem durch Makropinozytose aufgenommen werden. Dabei umschliesst die Zelle Flüssigkeit und die darin enthaltenen Partikel und zieht sie ins Zellinnere. Partikel mit einer Grösse von bis zu etwa drei Mikrometern können ausserdem von spezialisierten Immunzellen aufgenommen werden, die Fremdkörper regelrecht verschlingen.

Besonders kleine Nanopartikel unter 10 Nanometern können direkt mit der Zellmembran in Kontakt treten. Diese Membran besteht aus einer doppelten Schicht von Fettmolekülen, der sogenannten Lipiddoppelschicht. Unter bestimmten Bedingungen können die Partikel die Membran örtlich verändern und dadurch direkt hindurchgelangen. Auch ein Transport durch die Zwischenräume benachbarter Zellen ist möglich, wenn die schützende Zellschicht, die sogenannte epitheliale Barriere, geschädigt ist. Grössere Mikroplastikpartikel von etwa 10 Mikrometern bleiben dagegen meist an der Oberfläche dieser Zellschicht und können dort durch Druck oder Reibung mechanischen Stress verursachen.

Eine Schlüsselrolle spielt laut dem Bericht die Oberflächenladung der Partikel. Die Zellmembran besitzt normalerweise ein negatives elektrisches Potenzial. Tragen Partikel eine positive oder teilweise positive Ladung, werden sie stärker von der Membran angezogen, was ihre Anhaftung erhöht und die Wahrscheinlichkeit der zellulären Aufnahme steigert. In bestimmten Fällen kann der enge Kontakt geladener Partikel mit der Membran auch zu lokalen Strukturstörungen führen, etwa zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Barrierefunktion oder zu einer Membranverformung.

Die Autoren zitieren eine 2025 veröffentlichte Studie, die festhält:
_“Die Anreicherung des roten Signals am Zellrand war wahrscheinlich auf die elektrochemische Anziehung zwischen der positiven Oberfläche der PS-NPs und der anionischen Nettoladung der Zellmembran zurückzuführen.“_

Dieselbe Studie kommt zudem zu dem Schluss:

_“Die Wirkung positiv geladener PS-NPs in Zellen und Würmern ist wahrscheinlich eher auf das z-Potential als auf den Grad ihrer Anreicherung zurückzuführen.“_

Wie Nanoplastik das Membranpotenzial von Neuronen destabilisiert

Die Funktion von Neuronen beruht auf der Erzeugung und Weiterleitung elektrischer Signale. Dies erfordert laut dem Bericht die strikte Aufrechterhaltung der Potenzialdifferenz zwischen Innen- und Aussenseite der Zellmembran. Der elektrochemische Gradient gewährleistet die zelluläre Erregbarkeit und die Bereitschaft zur Impulsweiterleitung. Die Anwesenheit von Nanoplastikpartikeln, die eine intrinsische elektrostatische Ladung tragen, kann dieses Gleichgewicht stören.

Die Autoren verweisen auf experimentelle Daten zur Wechselwirkung von Polystyrol-Nanopartikeln mit Phospholipid-Membranen. Eine 2022 in der Fachzeitschrift Langmuir veröffentlichte Studie wird mit folgenden Worten zitiert:

_Wir haben gezeigt, dass PS-NH? die stärkste Fähigkeit besitzt, die Membran zu beeinträchtigen, wobei alle unsere Ergebnisse auf eine Depolarisierung der Membran durch verschiedene Mechanismen hindeuten. Erstens würde eine hypothetische Aufnahme der positiv geladenen PS-NH?-Partikel das negative Membranpotenzial verringern. Zweitens sind die durch PS-NH? verursachten selektiven Poren für den Einstrom kationenselektiv, für den Ausstrom jedoch anionenselektiv. Dies deutet auf eine stark asymmetrische Ladungsverteilung in der Membran hin, die entweder durch das Anhaften der Nanopartikel oder durch umfangreiche Umordnungen der Lipide verursacht wird._

Dabei wird auch der umgekehrte Effekt beschrieben: Negativ geladene Polystyrol-Nanopartikel folgen laut der Studie dem entgegengesetzten Muster. Durch ihre Aufnahme oder die von ihnen induzierten selektiven Poren steige das Membranpotenzial, was zu einer Hyperpolarisierung führe.

Polystyrol-Nanopartikel können laut dem Bericht die Ionengradienten verändern – also die unterschiedliche Verteilung elektrisch geladener Teilchen innerhalb und ausserhalb der Zelle. Dafür kommen mehrere Ursachen infrage: Die Nanopartikel können von der Zelle aufgenommen werden, die Zellmembran örtlich beschädigen, kleine hydrophile Poren in der Membran bilden, durch die Wasser und geladene Teilchen gelangen können, oder Ionenkanäle blockieren. Diese Kanäle steuern normalerweise, welche geladenen Teilchen in die Zelle hinein- oder aus ihr hinausströmen.

Verändert sich die elektrische Spannung an der Membran einer Nervenzelle, kann diese laut dem Bericht ungewöhnlich reagieren. Sie sendet dann entweder zu früh ein elektrisches Signal – ein sogenanntes Aktionspotenzial – oder kann ein solches Signal nur noch schwer auslösen. Sind viele einzelne Nervenzellen davon betroffen, geraten ganze Netzwerke von Nervenzellen aus dem Gleichgewicht. Dadurch werden Signale im Nervensystem weniger zuverlässig und präzise weitergeleitet.

Warum geladene Nanopartikel die Steuerung von Ionenkanälen beeinträchtigen können

Nanoplastik kann laut dem Bericht direkt auf Ionenkanäle einwirken. Diese Proteine in der Zellmembran funktionieren wie Schleusen und regeln, wie Kalzium, Natrium und Kalium in die Zelle hinein- und aus ihr hinausströmen. Die Nanopartikel mit einer elektrostatischen Oberflächenladung könnten die Form dieser Kanäle verändern. Dadurch öffnen sie sich möglicherweise nicht mehr, wenn die Zelle ein entsprechendes Signal erhält, oder sie bleiben länger offen als nötig.

Die Störung der fein abgestimmten Regulation der Ionenströme führe zur Destabilisierung der elektrischen Zellaktivität und zu einer beeinträchtigten Signalübertragung, insbesondere im Nervensystem. Ionenströme bilden die Grundlage des Membranpotenzials und der Signalübertragung in der Zelle. Werden sie gestört, kann das das Gleichgewicht der Ionen, die Signalwege und die Steuerung wichtiger Zellprozesse beeinträchtigen. Bei chronischer Exposition könnte dies Stressreaktionen und andere pathologische Mechanismen auslösen, die Zellschäden begünstigen.

Wie Nanoplastik die Freisetzung von Neurotransmittern stören kann

Nervenzellen, auch Neuronen genannt, geben Signale über ihre Kontaktstellen, die Synapsen, aneinander weiter. Dabei setzen sie sogenannte Neurotransmitter frei – chemische Botenstoffe, mit denen eine Nervenzelle Informationen an die nächste übermittelt. Diese Botenstoffe müssen zum richtigen Zeitpunkt und in genau abgestimmten Mengen freigesetzt werden. Damit das funktioniert, müssen die Zellmembran, die Ionenkanäle und der Einstrom von Kalzium in die Zelle richtig zusammenspielen.

Elektrisch geladene Nanoplastikpartikel können laut dem Bericht den Einstrom von Kalziumionen in die Zelle stören. Dieser Einstrom sorgt normalerweise dafür, dass Neurotransmitter in den synaptischen Spalt freigesetzt werden – also in den schmalen Zwischenraum zwischen zwei Nervenzellen. Wird dieser Vorgang gestört, können die Botenstoffe zu schwach, zu spät oder fehlerhaft freigesetzt werden. Dadurch werden Signale zwischen Nervenzellen weniger präzise weitergegeben, und das Zusammenspiel ganzer Netzwerke von Nervenzellen kann beeinträchtigt werden.

Die Autoren verweisen auf eine Studie aus dem Jahr 2025 mit Nervenzellen aus dem Hippocampus von Ratten – einer Hirnregion, die unter anderem für das Gedächtnis wichtig ist. Die Studie zeigt, dass Nanoplastik die Freisetzung von Neurotransmittern verringern kann. Wird dieser Vorgang gestört, können Nervenzellen Signale schlechter aneinander weitergeben. Laut dem Bericht könnten dadurch Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere kognitive Funktionen beeinträchtigt werden.

Wie Nanoplastik oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen auslöst

Einer der universellen Mechanismen der durch Nanoplastik verursachten Zellschädigung ist laut dem Bericht der oxidative Stress. Unter normalen Bedingungen werden reaktive Sauerstoffspezies (besonders reaktive Sauerstoffverbindungen, die Zellen schädigen können), die während des Energiestoffwechsels ständig entstehen, durch das Antioxidantiensystem (Schutzsystem) der Zelle auf sicherem Niveau gehalten. Übersteigt die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies die Kapazität dieses Systems, entwickelt sich oxidativer Stress, ein Zustand, in dem freie Radikale beginnen, Membranlipide (amphipatische Moleküle), Proteine und DNA zu schädigen.

Experimentelle Daten hätten laut dem Bericht gezeigt, dass aufgenommene Plastiknanopartikel dauerhaft erhöhte Mengen reaktiver Sauerstoffspezies aufrechterhalten und Entzündungsreaktionen verstärken könnten. Unter diesen Bedingungen könnten die Schutz- und Reparaturmechanismen der Zelle nach und nach erschöpft werden, sodass sich immer mehr Schäden ansammelten. Hielte dieser Zustand über längere Zeit an, könnten wichtige Zellsysteme in ihrer Funktion beeinträchtigt werden, Veränderungen im Erbgut – sogenannte DNA-Mutationen – häufiger auftreten und der programmierte Zelltod ausgelöst werden. Dabei beendet die Zelle ihr Leben nach einem geregelten biologischen Ablauf.

Neuronen seien besonders verwundbar gegenüber oxidativem Stress: Sie verbrauchten grosse Mengen Sauerstoff, hielten eine ständig hohe Stoffwechselaktivität aufrecht, verfügten über begrenzte Antioxidantienreserven und besässen praktisch keine Regenerationsfähigkeit. Daher erhöhe zusätzlicher, durch Nanoplastik verursachter oxidativer Stress das Risiko neuronaler Entzündungen, Funktionsstörungen und des Zelltods. Der Bericht verweist auf Studien, die zeigen, dass umweltrelevante Konzentrationen von Polystyrol-Nanoplastik in Modellorganismen eine Parkinson-ähnliche Neurotoxizität über oxidativen Stress auslösen können.

Versuche mit Planarien, kleinen Plattwürmern mit hoher Regenerationsfähigkeit, bestätigen laut dem Bericht, dass Mikroplastik eigenständig die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies erhöht, das Antioxidantiensystem beeinträchtigt, Gewebeschäden verursacht und normale physiologische Prozesse stört. Diese Effekte würden besonders ausgeprägt, wenn Mikroplastik gemeinsam mit anderen Schadstoffen wie Schwermetallen auftrete. Die Autoren betonen, dass Mikroplastik zudem die Mikrobiota der Planarien verändert habe. Dies deute darauf hin, dass die Wirkung nicht auf einzelne Zellen beschränkt sei. Sie könne auch den Stoffwechsel, die Immunantwort, also die Abwehrreaktion des Körpers, sowie das allgemeine körperliche Gleichgewicht beeinflussen.

Warum Nanoplastik Mitochondrien angreift und einen Energiemangel in Zellen verursachen kann

Der primäre mechanistische Pfad der schädlichen Wirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf zellulärer Ebene ist laut dem Bericht ihr Einfluss auf die Mitochondrien, die Zentren der zellulären Energieproduktion und der Regulation lebenswichtiger Prozesse. Ohne funktionierende Mitochondrien verliere die Zelle ihre Fähigkeit zum Überleben und zur Reparatur. Mitochondrien versorgen die Zellen mit Energie über die Synthese von Adenosintriphosphat. Dieser Prozess wird durch die Elektronentransportkette angetrieben, eine Reihe von Proteinkomplexen in der inneren Mitochondrienmembran, die den gerichteten Elektronentransfer und die ATP-Synthese ermöglichen. Ein einzelnes Mitochondrium könne bis zu Dutzende Millionen ATP-Moleküle pro Tag synthetisieren.

Experimentelle Daten zeigen laut dem Bericht, dass Polystyrol-Nanopartikel von etwa 20 bis 50 Nanometern in Zellen eindringen und sich in Mitochondrien anreichern können. Ein Mitochondrium ist typischerweise 5 bis 10 Mikrometer lang und 0,3 bis 1 Mikrometer breit. Nanoplastikpartikel messen weniger als 0,1 Mikrometer, was ihnen eine hohe intrazelluläre Mobilität und die Fähigkeit zur direkten Interaktion mit mitochondrialen Strukturen verleihe.

Diese Anreicherung werde von einer Verringerung des mitochondrialen Membranpotenzials und einem Rückgang der ATP-Synthese begleitet. Gleichzeitig verstärke sich die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, was Kaskaden von zellulärem Stress und programmierten Zelltod auslöse.

Die DNA in den Mitochondrien sei besonders anfällig für Schäden durch reaktive Sauerstoffspezies. Nanoplastik könne in die Mitochondrien eindringen und sich in ihrer Matrix, also im Inneren dieser Zellbestandteile, ansammeln. Dadurch könnten Veränderungen an Aufbau und Funktion entstehen: Die Cristae, die Falten der inneren Mitochondrienmembran, könnten sich verformen, das elektrische Gleichgewicht an der Membran könne gestört werden und es könnten mehr reaktive Sauerstoffspezies entstehen.

Studien mit etwa 100 Nanometer grossen Partikeln hätten Schäden an der DNA innerhalb der Mitochondrien nachgewiesen. Dabei seien DNA-Bruchstücke ins Zytosol gelangt, also in die Flüssigkeit im Inneren der Zelle, und hätten eine Reihe von Entzündungsreaktionen ausgelöst. Ausserdem seien je nach Dosis Veränderungen bei der Anzahl der Kopien mitochondrialer DNA festgestellt worden. Diese Kopienzahl könne als Biomarker dienen – also als messbarer Hinweis auf Stress in den Mitochondrien und auf eine gestörte Vervielfältigung ihrer DNA.

Der Bericht beschreibt einen sich selbst verstärkenden Kreislauf: zunehmende strukturelle Schäden führten zu verringerter ATP-Synthese, verschärftem oxidativem Stress und weiterer Verschlechterung der mitochondrialen Funktion. Schäden an der mitochondrialen DNA spiegelten den mitochondrialen Stress nicht nur wider, sondern verstärkten ihn aktiv.

Experimentelle Daten hätten laut dem Bericht gezeigt, dass Polystyrol-Nanopartikel die Energiegewinnung in den Mitochondrien des Gehirns stark hemmen könnten. Betroffen seien sowohl Mitochondrien in den Enden von Nervenzellen, an denen Signale übertragen werden, als auch Mitochondrien in anderen Bereichen der Zelle. Die Nanopartikel könnten dabei die Elektronentransportkette stören. Konkret sei der Elektronentransport zwischen den Komplexen I und III sowie zwischen den Komplexen II und III beeinträchtigt. Diese Verbindungen seien entscheidend dafür, dass die Elektronen in der richtigen Reihenfolge weitergegeben werden und die Zelle Energie herstellen kann.

Wie Nanoplastik die Struktur von Proteinen schädigen und ihre Verklumpung fördern kann

Laut dem Bericht können geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel die räumliche Struktur von Proteinen stören. Ursache dafür seien elektrostatische Wechselwirkungen, also Anziehungs- und Abstossungskräfte zwischen elektrisch geladenen Teilchen. Molekulardynamik-Simulationen – computergestützte Modelle, mit denen die Bewegungen und Wechselwirkungen von Molekülen untersucht werden – hätten gezeigt, dass Nanoplastik die Struktur von Proteinen verändern könne. Dabei könnten sich sogenannte Alpha-Helices, also spiralförmige Abschnitte eines Proteins, in Beta-Faltblätter umwandeln. Das sind flach gefaltete Proteinstrukturen. Zudem könne es zu einer Denaturierung kommen. Die ursprüngliche, funktionsfähige Struktur des Proteins werde dadurch instabil. Das Protein könne sich in ein flaches Beta-Faltblatt oder in eine ungeordnete, knäuelartige Struktur verwandeln. Dadurch könne es seine normale biologische Funktion vollständig verlieren.

Die Oberflächenladung des Nanoplastiks sei der primäre Faktor, der die native Architektur von Biomolekülen zerstöre. Der Verlust der natürlichen Proteinstruktur führe zur Beeinträchtigung katalytischer und Transportfunktionen. Diese konformationellen Veränderungen könnten eine Kaskade von Störungen auslösen, die sich von der molekularen Ebene über die zelluläre und die Gewebeebene bis zur systemischen Ebene der biologischen Organisation erstrecke.

Wird die natürliche Form eines Proteins gestört, versucht die Zelle, den Schaden zu beheben. Dafür nutzt sie verschiedene Qualitätskontrollsysteme. Molekulare Chaperone sind Hilfsproteine, die andere Proteine bei der richtigen Faltung unterstützen. Das Proteasom-System zerlegt Proteine, die nicht mehr repariert werden können. Entstehen jedoch zu viele denaturierte, also in ihrer Form veränderte Proteine, können diese Schutzsysteme überlastet werden. Dann sammeln sich fehlgefaltete Proteine im Zytoplasma, dem flüssigen Inneren der Zelle, an. Dadurch entsteht proteotoxischer Stress – eine Belastung der Zelle durch schädliche oder falsch gefaltete Proteine. Kann die Zelle ihre Proteinhomöostase, also das Gleichgewicht zwischen Bildung, Faltung, Reparatur und Abbau von Proteinen, nicht wiederherstellen, werden Signalwege aktiviert, die zur Apoptose führen. Damit ist der kontrollierte, programmierte Zelltod gemeint.

Da Proteine an fast allen biochemischen Vorgängen in der Zelle beteiligt sind, kann eine Veränderung ihrer räumlichen Struktur viele Funktionen beeinträchtigen. Bei Enzymen, also Proteinen, die chemische Reaktionen in der Zelle ermöglichen, können sich die aktiven Zentren verändern. Das sind die Bereiche, an denen die jeweilige Reaktion stattfindet. Dadurch arbeiten die Enzyme möglicherweise nicht mehr richtig. Werden Strukturproteine des Zytoskeletts geschädigt, kann auch der Transport innerhalb der Zelle gestört werden. Das Zytoskelett ist ein Netzwerk aus Proteinen, das der Zelle Halt gibt und als eine Art Transportsystem dient. Verändert sich die Form von Rezeptorproteinen, können Zellen Signale schlechter empfangen und weitergeben. Rezeptoren sind Proteine, die bestimmte Botenstoffe erkennen. Auch Ionenkanäle können betroffen sein. Das sind Proteine in der Zellmembran, die steuern, welche geladenen Teilchen in die Zelle hinein- oder aus ihr hinausströmen. Werden diese Kanäle gestört, kann sich das Gleichgewicht der Ionen innerhalb und ausserhalb der Zelle verändern.

Eine wichtige Folge solcher Veränderungen der Proteinstruktur sei die Aggregation. Damit ist gemeint, dass sich falsch geformte Proteine zusammenlagern und verklumpen. Besonders die Bildung von Beta-Faltblättern könne die Anziehung zwischen den Proteinmolekülen verstärken. Dadurch entstünden dichte Proteinaggregate, also Ansammlungen verklumpter Proteine. Diese Aggregate könnten stark zytotoxisch wirken, also Zellen schädigen. Sie könnten Strukturen im Zellinneren angreifen, die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies fördern. So könne ein „Teufelskreis“ entstehen: Die Zellschäden fördern neue schädliche Prozesse, die wiederum noch mehr Schäden auslösen.

Warum Proteinaggregate bei langfristiger Belastung zur Schädigung von Nervenzellen beitragen könnten

Wenn Proteine über längere Zeit ihre natürliche Form verlieren, können sie sich zusammenlagern und sogenannte Proteinaggregate bilden. Laut dem Bericht könnten solche Prozesse zur Entstehung verschiedener Erkrankungen beitragen, darunter Alzheimer und Parkinson. Diese neurodegenerativen Erkrankungen sind dadurch gekennzeichnet, dass Nervenzellen zunehmend geschädigt werden und ihre Funktion verlieren.

Die Autoren verweisen auf eine 2023 in Science Advances veröffentlichte Studie. Darin heisst es:

_“Möglicherweise entwickelt ein Neuron, in dessen Zellkörper sich im sauren Lysosom negativ geladenes Nanoplastik befindet, eher eine a-Synuclein-Einschlusskörper als ein gesundes Lysosom, das Proteinaggregate zügig abbaut, bevor sie sich ausbreiten können.“_

Gemeint ist: Befindet sich negativ geladenes Nanoplastik in einem Lysosom, könnte sich dort leichter eine Ansammlung von Alpha-Synuclein bilden. Lysosomen sind kleine Bestandteile der Zelle, die beschädigte Proteine und andere Stoffe abbauen. Alpha-Synuclein ist ein Protein, das vor allem in Nervenzellen vorkommt. Verklumpt es, kann es sogenannte Einschlüsse bilden, also auffällige Proteinansammlungen im Inneren der Zelle.

Die Studie habe gezeigt, dass negativ geladene Nanoplastikpartikel die Verklumpung von Alpha-Synuclein fördern könnten. Zudem seien die Nanoplastikpartikel gemeinsam mit fadenförmigen Alpha-Synuclein-Ablagerungen entlang der Fortsätze von Nervenzellen zurück zum Zellkörper transportiert worden. Dieser Transport wird als retrograder Transport bezeichnet.

In Tierversuchen hätten drei von zehn Mäusen, denen ausschliesslich Nanoplastik injiziert worden sei, deutliche, aber örtlich begrenzte Alpha-Synuclein-Einschlüsse gezeigt. Diese seien in dopaminergen Neuronen der Substantia nigra gefunden worden. Dopaminerge Neuronen sind Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die Substantia nigra ist eine Hirnregion, die unter anderem für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist und bei Parkinson geschädigt wird.

Nach Einschätzung der Studienautoren deute dieses Ergebnis darauf hin, dass Nanoplastik möglicherweise auch ohne zuvor vorhandene Alpha-Synuclein-Ablagerungen neue, ausgereifte Einschlüsse auslösen könne. De novo bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Einschlüsse neu entstanden seien.

Warum Nanoplastik auch die DNA-Reparatur stören und das Erbgut gefährden könnte

Laut dem Bericht könnten Nanoplastikpartikel nicht nur Proteine, sondern auch das Erbgut der Zelle beeinträchtigen. Studien aus dem Jahr 2024 hätten gezeigt, dass Nanoplastik aus Polyvinylchlorid, kurz PVC, die homologe Rekombination unterdrücken könne. Dabei handelt es sich um einen besonders genauen Reparaturmechanismus, mit dem die Zelle beschädigte DNA-Abschnitte wiederherstellt. Dieser Mechanismus sei vor allem bei Doppelstrangbrüchen wichtig. Dabei sind beide Stränge der DNA an derselben Stelle durchtrennt. Solche Schäden können zu Veränderungen des Erbguts, sogenannten Mutationen, oder zum Tod der Zelle führen. Werde dieser Reparaturweg gehemmt, könne die Zelle schwere DNA-Schäden schlechter beheben. Dadurch könnten sich mehr Fehler im Erbgut ansammeln und die genomische Stabilität abnehmen. Damit ist die Fähigkeit der Zelle gemeint, ihr Erbgut vollständig und möglichst fehlerfrei zu erhalten. Langfristig könne dies laut dem Bericht chronische Entzündungen und Alterungsprozesse fördern sowie das Risiko für Erkrankungen erhöhen.

Was die Forschung zusammenfasst und wo die Grenzen der aktuellen Evidenz liegen

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Mikro- und Nanoplastik nicht nur in Geweben akkumulieren, sondern auch mit biologischen Prozessen auf mehreren Organisationsebenen interagieren können. Geringe Plastikpartikelgrösse und elektrostatische Oberflächeneigenschaften tragen zur Beeinflussung zentraler zellulärer Mechanismen bei, darunter Veränderungen des Membranpotenzials, der Ionenkanalfunktion und der Neurotransmission sowie die Auslösung von oxidativem Stress und Entzündungsreaktionen, mitochondriale Funktionsstörungen und Störungen des Energiestoffwechsels.

Diese Prozesse könnten gleichzeitig auftreten und sich möglicherweise gegenseitig verstärken, was einen kumulativen zellulären Stress erzeuge, der unter bestimmten Bedingungen zu Zellschäden, beeinträchtigter Gewebefunktion und Merkmalen beschleunigter biologischer Alterung führen könne. Die zugrundeliegenden Mechanismen umfassten eine initiale physische Interaktion an der Grenzfläche zwischen Partikel und Zelle, gefolgt von chemischen Ungleichgewichten und in einigen Fällen nachgelagerten molekularen und strukturellen Veränderungen in Biomolekülen.

Die Autoren betonen zugleich, dass die aktuelle Evidenz unvollständig bleibe und weitere umfassende Untersuchungen erforderlich seien, um das Ausmass und die Relevanz dieser Effekte unter realen Expositionsbedingungen zu klären.

Quelle: Ahn, J., Hronová, K., Pashigreva, A., Kárová, T., Kotlyar, A., Masny, A., Kára, J. Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment. ALLATRA Global Research Center, 2026. DOI: https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001. Lizenz: CC BY 4.0.

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400.000 Partikel pro Quadratmeter: Wie Mikroplastik in Waldböden, Insekten und Meeresbewohnern akkumuliert

Bienen nutzen elektrische Felder zur Blütenwahl, Haie orten Beute über Bioelektrik. Ein Forschungsbericht zeigt, wie geladene Plastikpartikel diese Signale möglicherweise stören.

BildWälder kommunizieren über unterirdische Netzwerke, Bienen navigieren mithilfe elektrischer Felder, und Haie orten ihre Beute anhand bioelektrischer Signale. Ein 2026 veröffentlichter Bericht des ALLATRA Global Research Center legt dar, wie elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel diese Signalwege möglicherweise beeinträchtigen. Die Risikoanalyse „Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment“, erarbeitet von sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Doktor John Ahn, Doktor Karolína Hronová und Doktor Anastasiya Pashigreva, wertet die verfügbare Forschungsliteratur zu den Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf Waldökosysteme, Insekten, Vögel und Meereslebewesen systematisch aus.

Warum Waldböden nach 70 Jahren bis zu 400.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter enthalten könnten

Wälder galten lange als naturnahe Rückzugsräume. Der Bericht beschreibt jedoch, dass Baumkronen und Blätter Mikroplastik aus der Atmosphäre auffangen. Luftströmungen tragen die Partikel heran, und Niederschläge spülen sie in den Waldboden. Täglich könnten Dutzende Mikroplastikpartikel pro Flächeneinheit der Baumkrone abgelagert werden. Man stelle sich einen Fichtenwald vor, in dem jeder Quadratmeter Kronendach täglich winzige Plastikfragmente wie ein Filter einfängt, die dann mit dem Regen nach unten sickern.

Der Bericht verweist auf quantitative Schätzungen, wonach Waldböden über einen Zeitraum von etwa 70 Jahren durch atmosphärische Ablagerung rund 400.000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter ansammeln könnten. Im Unterschied zu organischen Bestandteilen werden Plastikpartikel nicht in natürliche Zersetzungskreisläufe eingebunden und könnten über lange Zeiträume im Ökosystem verbleiben.

Wie negativ geladene Nanopartikel in Pflanzenwurzeln eindringen, während positiv geladene an der Oberfläche haften

Die elektrostatischen Eigenschaften der Partikel spielen laut dem Bericht eine besondere Rolle für deren Wechselwirkung mit Pflanzen. Forschungsergebnisse zeigen, dass negativ geladene Polymer-Nanopartikel in Wurzelgewebe eindringen und sich schrittweise innerhalb der Pflanze verteilen könnten, während positiv geladene Partikel eher an der Wurzeloberfläche verbleiben und nur minimal aufgenommen werden.

Die Anreicherung und das Eindringen von Nanopartikeln könnte laut dem Bericht mit Störungen physiologischer Prozesse einhergehen, darunter eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme, die sich in Wachstumshemmung und Veränderungen der Wurzelmorphologie äussern könnte. Der Bericht zitiert eine Forschungsarbeit:

„_Die Aufnahme und der Transport von Mikro- und Nanoplastik sind komplexe Prozesse, die von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden, darunter Partikelgröße, Oberflächenladung, mechanische Eigenschaften und physiologische Merkmale der Pflanzen sowie äußere Umweltbedingungen._“

Warum Nanoplastik die Photosynthese von Fichten und Laubbäumen beeinträchtigen könnte

Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel sind laut dem Bericht in der Lage, an Blattoberflächen zu haften und in Pflanzenzellen einzudringen. Bei längerer Exposition gegenüber Mikro- und Nanoplastik zeigten Pflanzen eine Abnahme der Photosynthese-Effizienz, was möglicherweise zu einer verringerten Sauerstoffproduktion führen könnte, teilweise aufgrund von Schäden an Chloroplasten, den Energiezentren der Pflanzenzelle.

Man stelle sich einen Fichtenwald in den Dolomiten vor, dessen Bäume nachweislich über unterirdische Mykorrhiza-Netzwerke miteinander verbunden sind und über bioelektrische Signale koordiniert auf äussere Reize reagieren. Eine im Bericht referenzierte Studie, veröffentlicht in Royal Society Open Science unter der Leitung von Alessandro Chiolerio, untersuchte die elektrischen Signale von Fichten (Picea abies) während einer partiellen Sonnenfinsternis. Die Forscher beobachteten dabei eine Synchronisation der bioelektrischen Signale zwischen den Bäumen, die ein kollektives Muster bildeten. Ältere Bäume reagierten häufig früher oder intensiver als jüngere.

Diese Beobachtung verdeutlicht, dass bioelektrische Prozesse als einer der Mechanismen betrachtet werden, die Wachstumskoordination, Bedrohungssignalisierung und pflanzliche Stressanpassung gewährleisten. In diesem Zusammenhang wird laut dem Bericht die Frage nach dem Einfluss elektrostatisch geladener Mikro- und Nanoplastikpartikel auf diese natürlichen Regulationsmechanismen zunehmend relevant.

Warum Mikroplastik in Waldökosystemen den Kohlenstoffhaushalt zusätzlich belasten könnte

Zunehmende Hinweise deuten laut dem Bericht darauf hin, dass Mikro- und Nanoplastik die Funktionsweise von Ökosystemen beeinträchtigen könnte, indem es Bodenprozesse, pflanzliche Wurzelsysteme und mikrobielle Gemeinschaften stört. Diese Auswirkungen könnten Folgen für wichtige biogeochemische Kreisläufe haben, einschließlich der Kohlenstoffdynamik, obwohl direkte Belege hierfür noch fehlen.

Diese Besorgnis entsteht laut dem Bericht im Kontext bereits beobachteter Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt von Wäldern. In bestimmten Regionen des Amazonas-Regenwaldes, insbesondere in östlichen Gebieten, wurde berichtet, dass die Kohlenstoffemissionen die Kohlenstoffbindung übersteigen.

Wie Mikroplastik innerhalb von 72 Stunden das Gehirn von Honigbienen erreicht

Die Aussterberate von Insekten ist laut dem Bericht 8 Mal höher als die von Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Mehr als 75 Prozent der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen, darunter viele Obst- und Gemüsesorten, Nüsse und Ölsaaten, sind in unterschiedlichem Masse auf tierische Bestäuber angewiesen, insbesondere auf Bienen.

Man stelle sich eine Biene vor, die sich einer Blüte nähert. Während des Fluges lädt sich ihr Körper durch die Reibung mit der Luft positiv auf, während die Blüte geerdet bleibt und eine negative Ladung trägt. Das so entstehende elektrische Feld ermöglicht laut dem Bericht den Transfer von Pollen zur Biene, noch bevor ein physischer Kontakt mit der Blüte stattfindet. Bienen könnten Blüten anhand der Parameter ihrer elektrischen Felder unterscheiden, spezifische elektrische Signale mit dem Vorhandensein von Nektar assoziieren und die „Frische“ einer Blüte anhand des Niveaus ihrer Restladung bewerten. Nachdem eine Biene eine Blüte besucht hat, schwäche sich das elektrische Feld der Blüte ab, was andere Bienen als indirektes Zeichen einer geringeren Nektarverfügbarkeit wahrnehmen könnten.

Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht als Faktor betrachtet werden, der diese fein abgestimmten sensorischen Systeme möglicherweise stört. Laut der Forschung von Professor David Baracchi von der Universität Florenz könnten Mikroplastikpartikel über die Kutikula oder durch Aufnahme in den Körper einer Biene gelangen und innerhalb von 72 Stunden das Gehirn erreichen. Darauf folge synaptische Zerstörung, Neuroinflammation, Zelltod und Neurotransmitter-Störung. Die Biene verliere an Masse, ihr Stoffwechsel verlangsame sich und ihre Immunität nehme ab.

Darüber hinaus zeigten Bienen laut dem Bericht Verhaltensänderungen, einschliesslich Beeinträchtigungen bei Lernen und Gedächtnis. Polystyrol in Konzentrationen, die in der Umwelt vorkommen könnten, könnte unter experimentellen Bedingungen die Gedächtnisbildung und den Gedächtnisabruf bei Honigbienen beeinträchtigen.

Warum Nordamerika in 50 Jahren drei Milliarden Vögel verloren hat und Plastik als zusätzlicher Faktor gilt

Ein stetiger und statistisch bestätigter Rückgang der Wildvogelpopulationen wird laut dem Bericht weltweit dokumentiert. Nordamerika allein habe in den letzten 50 Jahren etwa 3 Milliarden Vögel verloren, ungefähr jedes vierte Individuum. Vögel sind für ihre Navigation und Überlebensfähigkeit auf die Übertragung elektrischer Signale angewiesen. Nervenimpulse, die vom Gehirn zu Organen und Muskeln wandern, steuern die Bewegung von Flügeln, Schwanz und Körper während des Fluges.

Man stelle sich einen Zugvogel vor, der jedes Jahr Tausende von Kilometern zurücklegt und stets an denselben Ort zurückkehrt. Laut dem Bericht dient das Erdmagnetfeld als einer der zentralen Orientierungspunkte während der Wanderung. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass der primäre Detektor ein spezialisierter molekularer Mechanismus im visuellen System der Vögel sein könnte, der es ihnen ermögliche, Magnetfeldparameter wahrzunehmen und in elektrische Signale umzuwandeln.

Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht nach dem Eintritt in den Körper von Vögeln die Übertragung elektrischer Impulse möglicherweise verzerren und die Funktion des Nervensystems stören. Diese Störungen stehen laut dem Bericht in Zusammenhang mit beeinträchtigter motorischer Koordination, einer Schwächung von Gedächtnis und Lernfähigkeit, Veränderungen der Stimmaktivität und einer verringerten Genauigkeit der räumlichen Orientierung. Besonders verletzlich seien dabei Jungvögel, da sich ihr Nervensystem in einer Phase aktiver Entwicklung befinde.

Forscher haben laut dem Bericht bei Seevögeln Symptome beschrieben, die neurodegenerativen Veränderungen ähneln, sowie einen Rückgang der für die Fortpflanzung notwendigen Verhaltensweisen. 403 Plastikteile wurden aus dem Magen eines 90 Tage alten Kükens des Blassfuss-Sturmtauchers (Ardenna carneipes) entfernt, der grösste dokumentierte Einzelfall von Plastikaufnahme bei dieser Art.

Warum elektrostatisch geladenes Nanoplastik die Elektrorezeption von Haien und Fischen stören könnte

Die Populationen mariner Wirbeltiere sind laut dem Bericht in den letzten 50 Jahren um 56 Prozent zurückgegangen. Der stärkste Rückgang wird in Süsswasserökosystemen verzeichnet, wo der Wert 85 Prozent erreicht.

Unter Wasser verliert das Sehen häufig an Präzision und Schallsignale werden durch die physikalischen Eigenschaften des Wassers verzerrt. Deshalb nutzen viele Meeresorganismen laut dem Bericht alternative sensorische Kanäle, darunter die Elektrorezeption, also die Fähigkeit, schwache elektrische Felder wahrzunehmen und sich danach zu orientieren. Man stelle sich einen Hai vor, der einen regungslosen Fisch aufspürt, nicht über Sicht oder Geruch, sondern über die schwachen elektrischen Impulse, die durch Muskel- und Herzaktivität der Beute erzeugt werden. Da diese Felder durch den ständigen Ionenfluss durch die Körperoberflächen entstehen, seien bioelektrische Signale ein physiologisch unvermeidlicher Bestandteil lebender Systeme in aquatischen Umgebungen.

Elektrostatisch geladene Mikro- und Nanoplastikpartikel könnten laut dem Bericht als Faktor betrachtet werden, der in der Lage sei, bioelektrische Signale zu verzerren oder zu blockieren. Eine solche Störung der sensorischen Kommunikation und Navigation könnte die Verletzlichkeit aquatischer Organismen erhöhen. Darüber hinaus zeigten Fische, die Mikro- und Nanoplastik ausgesetzt waren, laut dem Bericht ein breites Spektrum toxischer Wirkungen, darunter Funktionsstörungen des Immunsystems, Veränderungen der Blutparameter, Anzeichen von Neurotoxizität, Wachstumshemmung und einen Rückgang der Fortpflanzungsfunktion.

Warum Nanoplastik als systemische Bedrohung für die Widerstandsfähigkeit ganzer Ökosysteme eingestuft wird

Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass die im Bericht beschriebenen Beispiele nur spezifische Fälle eines weitaus grösseren Problems darstellen. Wenn die Signalübertragung beeinträchtigt werde, schwächten sich biologische Verbindungen ab, destabilisierten sich die Funktionen von Organismen und nehme die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen ab.

Angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Mikro- und Nanoplastik und des Trends einer raschen Zunahme der Menge an Plastikpartikeln bestehe laut dem Bericht das Risiko systemischer Ausfälle auf verschiedenen Ebenen der biologischen Organisation, von der Physiologie einzelner Organismen bis zur Stabilität der Biosphäre insgesamt. Da Menschen von der Funktionsfähigkeit natürlicher Systeme, Luft, Wasser und biologischer Gemeinschaften abhängen, erhalte die Degradation der Biosphäre unvermeidlich den Charakter nicht nur einer ökologischen, sondern auch einer anthropogenen Bedrohung.

Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass direkte Belege für die kausalen Zusammenhänge zwischen Mikro- und Nanoplastik und Ökosystemschäden in vielen Bereichen noch fehlen und weitere Forschung erforderlich sei.

Quelle: Ahn, J., Hronová, K., Pashigreva, A., Kárová, T., Kotlyar, A., Masny, A., Kára, J. Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment. ALLATRA Global Research Center, 2026. DOI: https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001. Lizenz: CC BY 4.0.

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